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Zwei alte Hasen und ein neues Gesicht

30.06.2009 ·  Drei Juristen bewerben sich am Sonntag für das Amt des Bürgermeisters in Maintal

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MAINTAL. Wenn die Maintaler Wähler am Sonntag zur Direktwahl des Bürgermeisters in der zweitgrößten Stadt des Main-Kinzig-Kreises gehen, haben sie die Wahl unter drei Juristen. Neben Amtsinhaber Erhard Rohrbach (CDU), im früheren Berufsleben Rechtsanwalt für Arbeitsrecht, bewerben sich für die SPD die Rechtsanwältin und Betriebswirtin Katja Weitzel sowie der Rechtsanwalt Jörg Schuschkow für die Wahlalternative Maintal (WAM). Lange hatte es so ausgesehen, als ob nach einem Zweikampf zwischen Rohrbach und Weitzel am 5. Juli die Entscheidung sicher fallen würde. Doch kurz vor dem Ende der Bewerbungsfrist hatte Schuschkow das Juristentrio noch komplettiert, was eine Stichwahl am 19. Juli erforderlich machen könnte.

Die beiden Männer haben in Maintal schon eine lange politische Geschichte hinter sich. Der 1956 in Maintal-Hochstadt geborene Erhard Rohrbach schaffte es im Jahr 1995, die erste Bürgermeisterdirektwahl in Maintal trotz zweier Mitbewerber im ersten Wahlgang für sich zu entscheiden. Damit wurde er zum ersten CDU-Bürgermeister in der 1974 gegründeten Stadt, die zuvor nur von Sozialdemokraten regiert worden war. Doch nach nur einer Wahlperiode verzichtete Rohrbach 2001 auf eine abermalige Kandidatur, weil er sich seinen drei Kindern intensiver widmen wollte.

Knapp drei Jahre später sahen die Dinge schon wieder anders aus: Für die CDU hatte die damals 32 Jahre alte Regierungsrätin im hessischen Sozialministerium Dorothee Diehl die Bürgermeisterwahl vom Januar 2001 gewonnen, war aber wegen des Vorwurfs von Unregelmäßigkeiten im Amt im Sommer 2003 abgewählt worden. Im Herbst des gleichen Jahres reihte sich Rohrbach in eine Gruppe von fünf Bewerbern für das Bürgermeisteramt ein. In der Stichwahl lag er nur 269 Stimmen vor seinem Konkurrenten von der SPD, Günther Wassermann.

Das knappe Ergebnis hatte prompt ein juristisches Nachspiel: Ein SPD-Vertreter monierte Verstöße bei der Organisation der Briefwahl, die wahlentscheidend gewesen seien. Das Verwaltungsgericht in Frankfurt bestätigte jedoch die Rechtmäßigkeit der Wahl Rohrbachs. Die CDU wurde nach der Kommunalwahl 2006, bei der sie zwar hohe Verluste erlitten hatte, aber wieder größte Fraktion geworden war, zunächst in die Oppositionsrolle verwiesen, weil sich SPD, Grüne und FDP für eine Kooperation entschieden hatten. Nach dem Scheitern der Wiederwahl Günther Wassermanns als Stadtrat und der Wahl des parteilosen Ralf Sachtleber zerbrach die Ampel im Spätsommer 2007. Unter anderem die seitdem gedeihliche Zusammenarbeit Rohrbachs mit dem parteilosen Magistratskollegen bewog die FDP dazu, sich vor der Wahl für eine Unterstützung Rohrbachs auszusprechen.

Als Pluspunkte seiner Amtszeit nennt der Bürgermeister unter anderem die Schaffung von Kindergartenplätzen für alle Drei- bis Sechsjährigen, neue Konzepte für die Jugendarbeit, die Neugestaltung der Ortsteilkerne, die Stärkung des Einzelhandels und die Ansiedlung von Betrieben. Rechnung getragen werden müsse künftig insbesondere dem demographischen Wandel. So sei mit dem Roten Kreuz die Schaffung weiterer Angebote im betreuten Wohnen vorgesehen. Finanziell stehe die Stadt mit ihren knapp 40 000 Einwohnern mit einem veranschlagten Defizit von 2,5 Millionen Euro im Haushalt noch relativ gut da.

Mit Jörg Schuschkow wird Rohrbach von einem ehemaligen Parteikollegen herausgefordert. 2003 hatte der einstige Parteivorsitzende mit der CDU gebrochen, nachdem sich die Partei nicht für ihn als Kandidaten für die vorgezogene Bürgermeisterwahl entschieden hatte, sondern für Rohrbach. Schuschkow kandidierte damals als unabhängiger Bewerber und erreichte den dritten Platz. 2006 initiierte er die Gründung der Wahlalternative Maintal (WAM), die bei der Kommunalwahl viertstärkste Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung wurde. Politisch wendet er sich unter anderem gegen eine Sport- und Freizeitanlage in der "Grünen Mitte", einem zentral zwischen den Stadtteilen gelegenen Landschaftsschutzgebiet, sowie gegen eine Privatisierung des Maintalbads.

Unberührt von früheren politischen Vorgängen in Maintal stellt sich die 36 Jahre alte SPD-Politikerin Katja Weitzel dem Bürgervotum. Sie wuchs in Südhessen auf und studierte in Mainz. Die berufliche Laufbahn verschlug sie nach München, wo sie heute als Rechtsanwältin arbeitet. Im Jahr 2002 wurde sie in den Bezirksausschuss von München-Laim gewählt. Mit ihrem Slogan "Maintal kann mehr" stellt sie die Politik Rohrbachs nicht in Frage, will aber mit jugendlicher Frische Schwächen ausbügeln und Stärken ausbauen. Sie propagiert einen neuen Politikstil mit einer intensiveren Beteiligung der Bürger an Entscheidungsprozessen. Weitzel, die auch auf die Stimmen der Grünen-Anhänger setzt, wünscht eine umweltverträgliche Gestaltung der Grünen Mitte und eine baldige Lösung für die Gestaltung des zentralen Rathausplatzes im Stadtteil Bischofsheim. LUISE GLASER-LOTZ

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