21.09.2009 · Die "Neue Stadtmitte" am Rathaus ist nach zwei Jahren Bauzeit fertig: Drei Gebäude bieten Platz für Geschäfte, Büros und Wohnungen.
höv. ESCHBORN. Die "Neue Stadtmitte" Eschborns, ein Ensemble aus drei Häusern mit Läden, Büros und Wohnungen, ist fertiggestellt. Die drei L-förmigen Gebäude an der Kurt-Schumacher-Straße gegenüber dem Rathaus bilden einen Innenhof, der als öffentlicher Durchgang dient. Nach den Worten des Bauherrn und Investors Henry Faktor hat das Projekt 20,8 Millionen Euro gekostet. Ursprünglich seien Ausgaben von 16 Millionen Euro vorgesehen gewesen. Die Bauarbeiten haben zwei Jahre gedauert. In den Erdgeschossen ist auf insgesamt 1000 Quadratmetern Platz für zehn Läden, die bereits vermietet sind, wie Faktor sagte.
Zwei Restaurants und ein Café, Läden für Obst, Gemüse und Blumen und Dienstleister wie ein Friseur und ein Reisebüro sind in den Komplex eingezogen. In seiner Ansprache zur Feierstunde sagte der Bauherr gestern, man habe bewusst von Inhabern selbst geführte Geschäfte ausgewählt und nicht an Filialen von Handelsketten vermietet. Denn die Stadtmitte solle nicht den großen Einkaufszentren wie dem Main-Taunus-Zentrum Konkurrenz machen, sondern sei als "Nachbarschaftszentrum" für die Eschborner konzipiert. Ebenso wichtig wie die Läden seien deshalb die Lokale mit Terrassen an der Straße und im Innenhof. Das Zentrum solle zum Flanieren einladen und zum "Wohnzimmer Eschborns" werden. Der erste Stock aller drei Häuser werde für Büros genutzt, die Etagen darüber für Wohnungen und weitere Büros. Appartements und Gewerberäume seien zu 85 Prozent vermietet, sagte Faktor.
Die Gebäude orientierten sich am Vorbild historischer Hofreiten im alten Ortskern. Als Hofreite wird der von Gebäuden umschlossene Hofraum bezeichnet. Mit bis zu fünf Geschossen richtet sich die neue Bebauung nach der Höhe der Gebäude in der Umgebung, sagte der Architekt Fritz Ludwig. Die vor- und zurückspringende Fassade wird durch auskragende Loggien gegliedert. Die Gestaltung erinnert an Architektur in Spanien. Die Ecken der Häuser sind mit Naturstein verkleidet. Die Tiefgarage des Rathauses wurde um eine Ebene erweitert, die für 145 öffentliche Parkplätze und 86 fest vermietete Stellplätze Raum bietet.
Ministerpräsident Roland Koch (CDU), der aus Eschborn stammt und dort lebt, nannte das Ladenzentrum eine "große Chance für die Innenstadt". Das Ensemble könne zu einem Treffpunkt der Einheimischen werden. Das Rathaus und die Stadthalle gegenüber hätten die Eschborner nie als Mitte ihres Orts empfunden. Viele von ihnen arbeiteten in den Hochhäusern der Gewerbegebiete an der Grenze zu Frankfurt. Im Hof des Ladenzentrums könnten sie sich am Feierabend geschützt vor den Hochhäusern erholen. Die neue Mitte könne auch eine Verbindung zwischen den Gewerbegebieten, den Wohngebieten am Rathaus und dem alten Ortskern herstellen.
Auch Bürgermeister Wilhelm Speckhardt (CDU) äußerte die Hoffnung, die neue Stadtmitte werde als "Magnet" wirken und Mitarbeiter aus den Unternehmen in den Gewerbegebieten mittags oder abends in den Ort ziehen. Der Bürgermeister zeigte sich angetan vom "südländischen Flair" der Häuser um den Innenhof. Mit südländischem Improvisationstalent habe die Bauleitung in den Tagen vor der Fertigstellung auf der Baustelle gewirkt; es sei auch samstags und sonntags gearbeitet worden.
Die Mischung aus Einzelhandel, Büros und Wohnungen sei die Voraussetzung für eine erfolgreiche Entwicklung. Bei diesem Vorhaben seien sich die Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung nicht einig gewesen. Auch sonst habe manch einer den Eschbornern nicht zugetraut, ihre neue Mitte zu planen und auf die Beine zu stellen, sagte Speckhardt in der Feierstunde mit spürbarem Stolz. Als wichtig für das Gelingen des Projekts bezeichnete er die neue Parketage unter der Erde, die die Stadt gekauft habe. Ohne Stellplätze kämen keine Kunden in Läden und Lokale. Von den Parkplätzen profitiere die ganze Innenstadt, auch die schon bestehenden Geschäfte.