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Verzicht aufs Mama-Taxi wird belohnt

25.09.2009 ·  Elf Grundschulen beteiligen sich am Wettbewerb "Wir laufen zur Schule" / Eltern sollen Gemeinschaften bilden und Kinder abwechselnd bringen

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Ein blondes Mädchen steht vor der Eingangstür der Anna-Schmidt-Schule und winkt ihrer Mutter zu, die ihr noch einen Handkuss durch die Luft schickt. Dann verschwindet die Tochter in der Schule und die Mutter hinter den getönten Scheiben ihres Sportwagens. Je näher die erste Stunde rückt, desto mehr Autos fahren vor die Privatschule im Frankfurter Westend.

Ginge es nach Johannes Theissen von der Verkehrsgesellschaft Traffiq, sollten mehr Eltern ihre Sprösslinge zu Fuß zur Schule bringen. Theissen ist Projektleiter des Wettbewerbs "Wir laufen zur Schule", den Traffiq zusammen mit dem Zoo ins Leben gerufen hat. Bereits elf Grundschulen beteiligen sich an dem Projekt. Jeder Schüler bekommt einen sogenannten Laufpass. Die drei Schulen, an denen die meisten Schüler den Weg zur Schule zu Fuß zurückgelegt haben, erhalten am Ende des Jahres Preise in Höhe von 1000, 750 und 500 Euro. Die Aktion soll dazu beitragen, die Umwelt zu schonen und den Verkehr zu entlasten. Im Mittelpunkt stehe aber die Idee, dass Kinder den Schulweg gemeinsam erleben, ohne das "Mama-Taxi" in Anspruch zu nehmen, wie Theissen sagt.

Auch Ute Poetzsch fährt ihre Söhne zur Schule. Ihr wäre es lieber, zu Fuß zu gehen, wie sie sagt. Die Distanz sei dafür aber zu groß. Alleine mit der U-Bahn will sie ihren sieben Jahre alten Sohn nicht fahren lassen. "Das ist doch zu gefährlich für ein Kind." Wolfgang Kroth, der den Autoschlüssel noch in der Hand hält, als er seine Tochter an diesem Morgen zur Schultür bringt, findet schon den Weg vom Haus zur nächsten U-Bahn-Station zu gefährlich. "Außerdem ist bei einem Kind in der vierten Klasse der Schulranzen doch viel zu schwer", fährt der Familienvater fort.

Nur ein paar Straßen weiter liegt die Engelbert-Humperdinck-Schule. Sie gehört zu den Grundschulen, die sich an dem Projekt beteiligen. Trotzdem bringt auch Susanne Carrasco ihren Sohn mit dem Auto. "Es ist zu umständlich mit der Bahn. Weil mein Sohn dreimal umsteigen müsste, sparen wir mit dem Auto zwanzig Minuten."

Das Projekt laufe gerade erst an, sagt Rektorin Inge Wegner. Im Moment plane die Schule Elternabende, um die Idee vorzustellen. Aus ihrem Fenster im zweiten Stock sieht die Schulleiterin die zugeparkte Fürstenbergstraße, die hinter der Engelbert-Humperdinck-Schule verläuft. Regelmäßig stauten sich dort die Autos, sagt Wegner, genau wie auf der Wolfsgangstraße auf der anderen Seite der Schule.

Vor allem Eltern, die in der Nähe wohnen, sollten ihre Kinder nach Meinung der Rektorin zu Fuß gehen lassen. "Das kann man einem achtjährigen Kind zutrauen." Allerdings sei es bei jüngeren Kindern angebracht, wenn ein Elternteil mitgehe. Von dem Wettbewerb erhofft sich die Schulleiterin, dass Eltern Gemeinschaften bilden, in denen sie die Kinder abwechselnd zur Schule begleiten.

Vatroslav Zrno bringt seine Tochter jeden Tag zur Schule, aber nicht immer zu Fuß. "Man muss auch die Zeit haben", sagt er. Wenn sich Nachbarn zusammenfänden, ließe er das Auto öfter stehen. Einige Laufgemeinschaften gibt es schon. Drei Grundschüler überqueren die Bremer Straße, einer fährt mit seinem Tretroller voraus, die anderen beiden rennen mit rappelnden Ranzen hinterher. Guy Hartmann folgt ihnen gemächlich. Der Familienvater begleitet jeden Morgen seinen Sohn und die Kinder aus der Nachbarschaft zur Schule. "Im Auto wäre mein Sohn allein", sagt er, "wenn wir laufen, trifft er unterwegs seine Freunde." jons./ursp.

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