14.10.2009 · Mittelständler nennt die Krise, Rabattschlachten und fehlende Unterstützung als Ursachen für die Schieflage
RHEIN-MAIN. Die Kaufzurückhaltung in der Finanz- und Wirtschaftskrise zwingt Lutz Thomas schon zu Beginn des Jahres dazu, die Wiesbadener Dependance namens Thomas Wohn-Center aufzugeben. Das Haus im Frankfurter Stadtteil Riedberg bleibt zu dieser Zeit von der Schließung unberührt, von Insolvenz ist nicht die Rede. Doch der Versuch, die hinter Thomas Wohn-Center stehende Krokofant Möbel GmbH gesundzuschrumpfen, gelingt nicht. Thomas hat nun, wie berichtet, den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen müssen.
"Wir denken jetzt trotz allem nach vorn, wir prüfen Sortiment und Strategie", sagt er im Gespräch. Zusammen mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter hofft er, ein tragfähiges Zukunftskonzept für das Haus, das er vor 25 Jahren in Frankfurt gegründet hat, zu finden. Die Gehälter der 63 Beschäftigten sind über das Insolvenzausfallgeld, das die Bundesagentur für Arbeit zahlt, gesichert. Thomas kann sich unter anderem vorstellen, einen Investor in das Unternehmen, in dem auch die Ehefrau des Gründers mitarbeitet, einsteigen zu lassen. "Wir sind offen für neue Ideen - von innen und außen", sagt er.
Einen gewichtigen Grund für die schwierige Lage sieht Thomas darin, dass er keine Chance gehabt habe, rechtzeitig zu expandieren. Um aber in der Konkurrenz mit großen Häusern wie Segmüller oder Ketten wie Ikea bestehen zu können, sei das unbedingt nötig: "In dem Geschäft geht es immer auch um die schiere Größe". Doch seine Bemühungen seien in Frankfurt wie in Wiesbaden gescheitert. Keine der beiden Städte habe ihm Möglichkeiten geboten, das Geschäft auf konkurrenzfähige Größe zu bringen.
So sei er beispielsweise an einem Grundstück in Frankfurt-Nieder-Eschbach interessiert gewesen, wo heute Ikea angesiedelt ist. Bei den zuständigen Stellen habe man ihm aber signalisiert, dass da nichts zu machen sei. "Ikea ist natürlich für jede Kommune ein besonders interessanter Gewerbesteuerzahler", fügt Thomas mit einer gewissen Bitternis hinzu.
Wie das neue Konzept für sein Haus aussehen wird, ist noch offen. In einem zeigt sich Thomas aber sicher: Einen Möbeldiscounter, wie er heute in Wiesbaden an der Stelle betrieben wird, wo Thomas zuvor auf Qualität und qualifizierte Beratung setzte, soll es am Frankfurter Standort nicht geben - jedenfalls nicht unter seiner Regie. "Discounter, das müssen Sie können. Ich kann es nicht", stellt er offen fest.
Sein Unternehmen gehört in eine in den vergangenen Jahren deutlich gewachsene Reihe mittelständischer Möbelhäuser, die in Schwierigkeiten geraten sind und entweder übernommen wurden oder ganz vom Markt verschwanden. In der Branche heißt es denn auch: Nirgendwo in Deutschland sei der Konkurrenzkampf im Möbelhandel so hart wie im Rhein-Main-Gebiet.
Da ist beispielsweise das Bad Homburger Möbelhaus Meiss, das es nur deshalb auch heute noch gibt, weil die ebenfalls in Bad Homburg ansässige Braum-Gruppe das insolvente Unternehmen übernommen hat. Mitte 2007 war bei Möbelcity Wesner in Frankfurt nach mehr als 100 Jahren Schluss. Auch dort waren die unentwegten Rabattaktionen der mächtigen Konkurrenten zu viel für das Haus, das einmal aus der Schreinerei des Wilhelm Wesner hervorgegangen war.
Kurz davor hatte das Edelmöbelhaus Helberger mit Dependancen in Frankfurt und Wiesbaden aufgegeben. Und davor hatten Möbel Erbe in Hanau und das Rheingauer Haus Polster Richter die Geschäftstätigkeit eingestellt. Jochen Remmert