30.07.2009 · SPD und FDP sorgen sich wegen "Google Street View"
Für Frankfurt ist das Männchen noch grau. Wäre es orangefarben, könnten sich auch die Bürger der größten Stadt Hessens mit Hilfe von "Google Street View" durch einzelne Straßen ihrer Stadt bewegen. In New York geht das schon. Die Bilder von der Fifth Avenue in Höhe Madison Square Park sind derart scharf, dass mit etwas Zoomen leicht zu erkennen ist, dass der Fahrer eines gelben Taxis ein helles Halbarmhemd trägt.
Während ein solcher virtueller New-York-Spaziergang im Internet unter der Adresse http://maps.google.de schon möglich ist, arbeitet das Unternehmen "Google Maps Deutschland" nach eigenen Angaben seit Juni dieses Jahres daran, entsprechende Aufnahmen in Darmstadt, Fulda, Gießen, Kassel, Marburg und Offenbach zu machen. Dazu werden Spezialfahrzeuge, auf denen bis zu neun Kameras montiert sind, durch öffentliche Straßen geschickt.
Für Frankfurt gibt es offiziell noch keinen Fototermin. Trotzdem sorgen sich SPD und FDP im Römer um die Sicherheit der Daten und den sachgemäßen Umgang mit diesen. So könnten die Bilder, die oft Monate alt sind, bevor sie bearbeitet ins Internet gestellt werden, durchaus die Privatsphäre verletzen, meinen die Sozialdemokraten im Römer und berufen sich auf Datenschützer.
In der Tat werden Passanten nicht gefragt, bevor die "Google"-Autos ihre Aufnahmen starten. Hinzu kommt, wie die SPD argumentiert, dass mit den Bildern Diebe Wege in Wohnungen ausspähen könnten. Bekannt sind ferner internationale Fälle, in denen die Kameras so hoch hingen, dass sie über Hecken und Zäune in die Vorgärten spähten. Auch werden nicht alle Gesichter und Autokennzeichen automatisch unkenntlich gemacht. Google dagegen verweist auf Vorteile seines Angebots für den Tourismus. Außerdem könnten Geschäfte leichter gefunden und zum Beispiel Immobilienkäufer besser mit Informationen versorgt werden.
Mit dem umstrittenen "Straßenblick" hat sich auch der zuständige hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar beschäftigt. Nach mehreren Mahnungen verkündete er kürzlich eine Einigung mit dem Unternehmen Google, das in Amerika sitzt. Demnach können gefilmte Bürger schriftlich dagegen widersprechen, dass ihre Gesichter, Grundstücke und Autokennzeichen im Internet veröffentlicht werden. Google habe zugesichert, dass dann auch die Rohdaten auf amerikanischen Servern entsprechend bearbeitet würden.
Wer Bilder für problematisch hält, kann sich unter dem Link "Ein Problem melden", der sich in den jeweiligen Aufnahmen findet, an das Unternehmen wenden. "Google Maps Deutschland" verspricht im Internet, auf Wunsch "Bilder von Ihnen, Ihren Kindern, Autos oder Häusern" vollständig zu entfernen - selbst wenn das Bildmaterial schon unkenntlich gemacht worden sei. Die FDP bittet den Magistrat nun, das Antragsformular zum Datenlöschen auch über die Homepage der Stadt zugänglich zu machen - und es außerdem in den Bürgerämtern auszulegen. trö.
Der hessische Datenschutzbeauftragte empfiehlt, einen Widerspruch an Google Germany GmbH, ABC Straße 19, 20354 Hamburg zu senden.