13.11.2008 · Extrem bunter Abend: Geburtstagsgala für Bernd Pfarr im Museum für Komische Kunst
Wenn es einen Preis für nichtfernsehübertragene Moderationen von hohem Unterhaltungswert gäbe, wäre Oliver Maria Schmitt ein naheliegender Kandidat. Denn durch die Geburtstagsgala zu Ehren von Bernd Pfarr, der am Dienstag 50 Jahre alt geworden wäre, führt er mit schrägem Witz und imponierender Schlagfertigkeit. Der "extrem bunte" Abend im Museum für Komische Kunst, drei Stunden lang - und keine Sekunde zu viel -, beginnt mit Musik: "He was a friend of mine" ist zu hören, sehr individuell gesungen und gezupft von drei Pfarr-Freunden. Nicht erschienen sind die Herren Dieter (ohne Nachnamen), Günther Plög, Dr. Leuschner, Dr. Keller und die Dame Rita Deubel: Als Schmitt diese Namen aufruft, hebt niemand im Publikum die Hand. Was seltsam bis rätselhaft wirkt, aber nur bis diese Persönlichkeiten, bei denen es sich um Figuren aus dem Pfarrschen Bilderkosmos handelt, auf der Projektionswand erscheinen. "Dass Günther Plög regelmäßig das Zeitmagazin gesammelt hatte, kam ihm nach dem Konkurs seiner Firma sehr gelegen", lautet der Text unter dem Bild eines langbärtigen Greises, der sich in einer verlassenen, ja unwirtlichen Gegend mit lauter alten Zeitungen an einer Mauer niedergelassen hat.
Hans Traxler würdigt Bernd Pfarr als einen in zehn Disziplinen siegreichen Zehnkämpfer, etwa bei Erwerb und Nutzung "von ästhetisch hochbefriedigenden, aber nur gelegentlich fahrbereiten Automobilen wie dem Buckel-Peugeot oder dem Pagoden-Mercedes". Oder in der Disziplin "Andauerndes Anhören von Wagner-Opern mit anschließender Diskussion". Oder beim "Auffinden von komplizierten Satzkonstruktionen in der modernen Literatur - etwa bei Nabokov oder Bulgakow - mit der Absicht, sie in den Untertexten von ,Sondermann' unterzubringen".
Mit dem stillen Text "Einsam saß Sondermann zu Hause und dichtete, während draußen das Leben nur so vorbeirauschte" zu einer noch stilleren Zeichnung erinnert Andreas Platthaus, Feuilletonredakteur dieser Zeitung, daran, mit welcher Souveränität Pfarr literarische Vorlagen gegen den Strich gebürstet und ganze Romane auf eine Seite verkürzt habe. Als außerordentlich kenntnisreicher Sondermann-Interpret erweist sich der zwölfjährige Lennart Wittstock, der im Gespräch mit Bernd Eilert die Pfarrsche Kunstfigur mit Donald Duck vergleicht - beide hätten ziemlich oft Pech gehabt. Pit Knorr berichtet, dass er die farbenfrohen Pfarr-Wandkalender jetzt einfach wieder aufhängt, denn auf das Datum schaue man ja doch nicht.
"Mit tiefer Befriedigung betrachtete Gott von Zeit zu Zeit dieses kleine Mäuerchen, welches ihm bei der Erschaffung der Welt wohl am besten gelungen war": Von einem Gemälde Pfarrs und diesem Untertext ausgehend, entwickelt Patrick Bahners, Leiter des Feuilletons dieser Zeitung, eine schlüssige Mäuerchen-Kunstgeschichte. Hans Zippert, soeben aus Afrika zurück, wo er den Ursprung der Pfarrschen Tierwelt erforschte, schildert dessen prächtige Giraffenbilder. Am Ende zieht Martin Mosebach dichterische Parallelen: zwischen Sondermann und Palmström. kcd.