15.03.2010 · Die Eintracht ist in der Fair-Play-Tabelle Vorletzter
FRANKFURT. Der vage Traum von Europa, sich vom Spätsommer an einem internationalen Publikum zu präsentieren, hat am 27. Februar den entscheidenden Rückschlag erlitten. Nach dem 1:2 beim VfB Stuttgart fand sich die Frankfurter Eintracht zwar noch immer auf Tabellenposition sieben in der Fußball-Bundesliga wieder. Doch die sportliche Lage verschlechterte sich von Woche zu Woche. Erst das 1:4 gegen den FC Schalke 04, nun das 1:2 bei Hannover 96: Die Eintracht ist geerdet. Als Tabellenzehnter, jenseits von Gut und Böse, hat sie noch ein hartes Stück Arbeit vor sich, um aus den aktuellen 35 Punkten bis zum Saisonschluss am 8. Mai die angestrebten 46 Zähler zu machen. "Wir alle wissen, dass das ein ambitioniertes Ziel ist", sagt Kapitän Christoph Spycher.
Ein anderes Ziel ist schon nicht mehr greifbar und außer Reichweite: sich über die Fair-Play-Wertung Sympathiepunkte zu verschaffen. Der Sprung in den Europapopokal ist bekanntlich über diesen Weg möglich. Die Europäische Fußball-Union gestattet den fairsten drei Nationen, ihr jeweils bestes Team in die Europa League zu schicken. Derzeit sind das Schweden, Dänemark und England. Deutschland belegt Rang acht. Und im nationalen Ranking wiederum liegt die Frankfurter Eintracht als Siebzehnter auf dem vorletzten Platz. Nur der VfL Bochum, Gegner des nächsten Auswärtsspiels am 26. März, ist noch schlechter. Zwei Rote Karten, drei Gelb-Rote Karten, 50 Gelbe Karten: Trainer Michael Skibbe hat zwar das Kurzpassspiel verbessert und kultiviert. Doch in Sachen Fairness haben seine Profis erheblichen Nachholbedarf. So sind besonders die jüngsten Strafen ärgerlich. Patrick Ochs (fünfte Gelbe Karte wegen Meckerns), Maik Franz (Gelb-Rot wegen wiederholten Foulspiels) und Selim Teber (Gelb-Rot wegen Handspiels) fehlen der Mannschaft, die sich von diesem Dienstag an auf einen der traditionellen Jahreshöhepunkte vorbereitet: das Heimspiel um Bundesligapunkte am Samstag gegen Rekordmeister Bayern München.
Mittelfeldmann Selim Teber hat nach seiner Unbeherrschtheit noch in Hannover Abbitte geleistet und sich bei seinen Mannschaftskameraden für sein reflexhaftes Vergehen entschuldigt. Das reuige Verhalten ist auf Akzeptanz gestoßen. Dabei ist der einstige Kapitän der TSG Hoffenheim bekannt für seine meist ruppige Art, Fußball zu spielen. Vor seiner Hinausstellung hatte sich der 29 Jahre alte Kicker aus Kurpfalz schon zehn Gelbe Karten eingehandelt und zweimal pausieren müssen. Das ist einsamer Ligarekord, und Trainer Skibbe weist Vorwürfe von sich, Tebers Kartenflut hätte etwas mit mangelnder Spritzigkeit zu tun. "Es ist in Ordnung, wenn es im zweikampforientierten Spiel zu Verwarnungen kommt", sagt der Eintracht-Trainer. Überhaupt ist der 44 Jahre alte Fußballlehrer der Ansicht, dass die Unparteiischen gerade bei Teber "ganz genau hinschauen. Er ist schon vorgemerkt."
Die Eintracht ohne drei Stammkräfte gegen die Bayern, aber aller Voraussicht nach mit Leihspieler Ricardo Clark und dem stärker gewordenen Caio, der von Beginn an zum Einsatz kommen könnte: Beim Jahreshöhepunkt geht es auch darum, im langen Endspurt der Liga nicht zu viele Punkte liegen zu lassen. In vergangenen Jahren erfolgte zweimal das Abrutschen von Platz elf auf vierzehn. Und vor zwei Jahren gab es in den restlichen sieben Saisonspielen lediglich einen Sieg und ein Unentschieden. Skibbe ist sicher: "Wir werden nicht durchgereicht." ralf weitbrecht