23.06.2008 · Für ein Welterbezentrum auf dem alten Asbach-Gelände werden Investoren gesucht
obo. RÜDESHEIM. Gesucht wird ein Investor, der zwölf Millionen Euro ausgeben will, um in Rüdesheim auf dem ehemaligen und teils denkmalgeschützten Asbach-Produktionsgelände "Am Rottland" ein "Visitor- & Welcome-Center Oberes Mittelrheintal" genanntes Besucherzentrum zu bauen.
Mit finanzieller Unterstützung des hessischen Wirtschaftsministeriums, des Rheingau-Taunus-Kreises, der Stadt Rüdesheim und des Wirtschafts- und Tourismusförderungsvereins ist eine Imagebroschüre im Format eines Fotokalenders entstanden, die sich an mögliche Investoren als auch Betreiber eines Informations-, Bildungs- und Erlebniszentrums am Eingangstor ins Unesco-Welterbe Oberes Mittelrheintal richtet.
Die Überlegungen konzentrieren sich dabei auf die alten Gebäude der Industriebrache beiderseits der Asbach-Gasse und damit insgesamt 5000 Quadratmeter Fläche. Auf vier Geschossen und im Keller soll der Gast "Emotionen und Erlebnisse" erfahren, hofft der Aufsichtsratsvorsitzende der Rüd AG, Werner Eigler. Tragende Säule des Visitor- & Welcome-Centers wäre demnach auf einer Fläche von 3200 Quadratmetern eine "emotional inszenierte" Ausstellung mit dem Titel "Stromabwärts" sowie auf 200 Quadratmetern eine umfassende Touristinformation für die Stadt und die Region.
Diese Einrichtungen würden ergänzt um einen Laden mit thematisch passenden Produkten und eine Erlebnisgastronomie. Als "optionale Frequenzbringer" führt die Broschüre eine "gläserne Pralinenproduktion" und ein "Asbach Besucher Centrum" auf. Das Besucherzentrum von Asbach ist bislang allerdings am anderen Ende der Stadt untergebracht, und der Pralinenhersteller Reber hat bislang noch keine Anzeichen erkennen lassen, die Herstellung von Asbach-Pralinen als Attraktion zu gestalten.
Bei drei Millionen Tagesbesuchern und 300 000 Übernachtungen in Rüdesheim sowie 1,2 Millionen Übernachtungen im gesamten Mittelrheintal basieren die Kennzahlen der Broschüre auf 300 000 Besuchern jährlich für das neue Zentrum. Aus der Ausstellung wird ein jährlicher Nettoumsatz von drei Millionen Euro erwartet. Eigler zufolge zielt das Projekt auf eine "Erneuerung" und Erweiterung der touristischen Zielgruppen und die Neupositionierung Rüdesheims und der Region im Tourismusmarkt. Die Trends zum Wandern und der Kulturreisen ließen sich damit gut verbinden. Die Ausstellung solle den Besucher "stromabwärts" auf eine fiktive Schiffsreise von Rüdesheim über die Loreley bis nach Koblenz mitnehmen, und seine Mitreisenden sollen Heine, Brentano und Lord Byron sein.
Eigler erwartet von Direktinvestitionen aus fremdem Kapital eine spürbare Verbesserung der Umsatz- und Beschäftigungsentwicklung in Rüdesheim. Nach einer Machbarkeitsstudie würden Mehrumsätze von sieben Millionen Euro, eine Wertschöpfung von zwei Millionen Euro und bis zu 100 neue Arbeitsplätze, davon 30 im Besucherzentrum, erwartet.
Zuvor müssten aber noch die Eigentumsverhältnisse auf dem Asbach-Gelände durch Verhandlungen mit dem Rheingau-Taunus-Kreis geklärt werden. Bislang allerdings klaffen dem Vernehmen nach die Vorstellung von Stadt und Landkreis über die Aufteilung der sieben Millionen Euro, die insgesamt an die Hessische Landgesellschaft zu zahlen sind, noch weit auseinander. Von der Politik erwartet Eigler "grünes Licht" für die Pläne und vor allem Beschlüsse über Investitionen in die Infrastruktur wie den Bau von Parkplätzen. Erst danach sollen die potentiellen Investoren und Betreiber mit Hilfe der Imagebroschüre und mit Unterstützung von Fachleuten umworben werden.