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Quelle am Finanzministerium versiegt

08.11.2009 ·  Nach Panne bei Probebohrungen, bei denen ein Grundwasserspeicher getroffen wurde, fürchten Interessenverbände um den Ruf der Geothermie.

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htr. WIESBADEN. Die unterirdische Quelle, deren Wasser den Parkplatz am hessischen Finanzministerium in Wiesbaden tagelang überflutet hat, ist versiegt. Gestern sprach der Büroleiter des Ministers Karlheinz Weimar (CDU) noch von einem "minimalen Wasseraustritt". Schon am Samstagnachmittag hatte sich die Lage deutlich entspannt. Seitdem reduzierte sich der Andrang aus der Tiefe zusehends.

Nachdem das Wasser vollständig abgeflossen war, zogen Feuerwehren und Technisches Hilfswerk gestern Nachmittag ihre letzten Hilfskräfte ab. Nach den Angaben von Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) waren sie zeitweise mit 150 Leuten an Ort und Stelle vertreten. Nur wenige Fachleute sollten gestern noch an der Bohrstelle bleiben, um mögliche Veränderungen im Erdreich rechtzeitig zu erkennen. Wie berichtet, hatten Probebohrungen zur Gewinnung von Erdwärme in einer Tiefe von ungefähr 130 Metern am Donnerstagabend einen natürlichen Grundwasserspeicher getroffen. Er stand unter einem so hohen Druck, dass nach den Schätzungen der Feuerwehr in einer Minute rund 6000 Liter Wasser freigesetzt wurden und meterhohe Fontänen aus dem Boden schossen.

Das Bohrloch wurde noch in der Nacht zum Freitag mit 56 Kubikmeter Beton gefüllt. Vollständig abgedichtet werden konnte es aber erst in einem zweiten Anlauf. In der Nacht zum Samstag gingen die Fachleute mit größerem Gerät noch einmal in die Tiefe, um anschließend eine spezielle Zementmischung in das Loch hineinzupressen. Sie war bis gestern Mittag ausgehärtet und stoppte den Wasserandrang.

Die Wucht des Wasseraustritts hat die Fachleute überrascht und gilt im Rhein-Main-Gebiet als beispiellos. Georg Mittelbach vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie erklärte, dass gegenwärtig niemand sagen könne, wie groß die Wassermassen unter dem Areal seien. Der Bohrer sei in eine wasserführende Schicht des Erdreichs gestoßen, die vermutlich mehrere Meter dick sei. Über ihre Ausdehnung gebe es keine Erkenntnisse. Die räumliche Struktur des Wiesbadener Untergrundes sei relativ kleinteilig. Aber es lasse sich beispielsweise nicht ausschließen, dass eine ebenso tiefe Bohrung in einer Entfernung von ungefähr hundert Metern solche Konsequenzen haben würde.

Die Geothermische Vereinigung und der Bundesverband Wärmepumpe befürchten offensichtlich, dass "jetzt aufgrund eines Schadensfalls eine Technologie mit großem Nutzen für Umwelt und die Menschen übermäßig stark eingeschränkt wird". In einer gemeinsamen Pressemitteilung bewerteten sie die Bohrpanne gestern als extremen Einzelfall. Bei den jährlich rund 30 000 problemlosen Erdwärme- und Grundwasserbohrungen kämen Schadensfälle in dieser Größenordnung höchst selten vor. Beide Interessenverbände setzen sich nach eigenen Angaben seit Jahren für "eine hohe Qualität der Bohrungen und der Ausbildung der Bohrteams" sowie für den "Einsatz von entsprechender moderner Bohrtechnologie" ein. Qualifiziertes Bohrpersonal habe in Wiesbaden den Schaden weitestgehend eingrenzen können. Die Panne zeige, dass umfassende Informationen über den Untergrund nötig seien, um in Zukunft bereits vor einer Bohrung mögliche Probleme zu erkennen. In vielen Bundesländern gebe es bereits entsprechende Geoinformationssysteme, die flächendeckend ausgebaut werden sollen.

Die vor dem Finanzministerium verlaufende Friedrich-Ebert-Allee bleibt heute und am Dienstag gesperrt. Das kündigte ein Sprecher der Stadt an. Die umfangreichen Rückhalte- und Sicherungsbecken sowie die erforderlichen Reinigungsarbeiten im Kanal- und Straßensystem müssten noch abgebaut werden, hieß es. Vor allem der Berufsverkehr im Umkreis der Baustelle werde nicht ungestört fließen können.

Die Berufsfeuerwehr hat unter der Rufnummer 06 11/31 80 80 ein Bürgertelefon eingerichtet. Es ist heute von 7 bis 17 Uhr zu erreichen.

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