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Neue Chancen für Alt-Sachsenhausen

Eine Architektin und ein Investor wollen zum Wandel des Kneipenviertels beitragen. Zwei Gebäude sollen saniert werden, außerdem ist geplant, eine Baulücke zu schließen.

In die Umwandlung des heruntergekommenen Kneipenviertels in Alt-Sachsenhausen kommt Bewegung: Drei neue Bauvorhaben sollen zu einer Aufwertung des Quartiers beitragen. Es handelt sich um zwei Sanierungen, die der Investor Kilian Bumiller an einem Nebengässchen zwischen Kleiner Rittergasse und Klappergasse unternimmt, sowie um eine Nachverdichtung an der Paradiesgasse. Die Architektin Marie-Theres Deutsch errichtet dort ein von ihr entworfenes Wohngebäude, das sie selbst nutzen will.

Bumiller, dem in dem Vergnügungsviertel auch das von der Kneipe "Hooters" im Erdgeschoss genutzte Gebäude gehört, hat zwei benachbarte Immobilien erworben. In ein denkmalgeschütztes und ungefähr aus dem Jahr 1740 stammendes Gebäude mit schwarzer Schieferfassade sollen Wohnungen und im Erdgeschoss eine Sektbar einziehen. Das Haus Kleine Rittergasse 13 sei gemessen am Baualter weitgehend intakt. Bumiller kündigt eine "kleine, schnuckelige gastronomische Nutzung" jenseits der in dem Viertel verbreiteten Ballermann-Atmosphäre an: "Dummsauferei gibt es schon genug."

Für das nebenan gelegene Gebäude mit den Hausnummern 19 bis 21 hat er sich noch nicht auf eine Nutzung festgelegt. Nach Bumillers Angaben handelt es sich um "gefälschtes Altertum": Der Betonbau wurde Anfang der siebziger Jahre errichtet und mit einer Fachwerkfassade versehen. Im Inneren befinde sich eine sehenswerte Antiquitätenschau. "Das ist hart an der Grenze zur Kunst", sagte der Immobilienentwickler, der das Gebäude zunächst behutsam entrümpeln will. Nach seinen Worten eignet es sich zum Beispiel als Domizil für ein Apfelweinmuseum. Das Schicksal der benachbarten Bauruine ist weiterhin ungewiss.

Das dritte Vorhaben soll in der Nähe des von der Stadt instand gesetzten Frankensteiner Hofs verwirklicht werden. In einer schmalen Baulücke an der Paradiesgasse will die Architektin Deutsch auf moderne Art die Mittelalter-Typologie aufgreifen. Auf sechs Etagen sollen Wohnungen entstehen. Von dem hinteren Teil des Grundstückes aus ist ein noch teilweise erhaltener gotischer Wohnturm aus dem Mittelalter zugänglich, der auf dem Nachbargrundstück steht. Der Besitzer ließ das Baudenkmal zusehends verfallen.

Sowohl Bumiller als auch Deutsch sehen in Alt-Sachsenhausen Potential. Deutsch empfiehlt eine "Taktik der kleinen Schritte", um die Eigentümer von einer Sanierung und Umnutzung ihrer Gebäude zu überzeugen. Sie vermisst ein städtebauliches Gesamtkonzept, dass die Vakanzen in dem Viertel zeige. Die Ansiedlung von Ateliers und Designerläden macht ihr Hoffnung: "Alt-Sachsenhausen hat das Zeug zum Künstlerviertel."

Bumiller beobachtet, dass sich der Wandel aufgrund der Eigentümerstruktur nur langsam vollzieht. Er nimmt die Besitzer in Schutz: "Das sind zum kleinsten Teil Profis. Sie verlängern aus Bequemlichkeit die Mietverträge." In der Eigentümerschaft finde derzeit aber ein Generationswechsel statt. Das Engagement der Stadt, die sich mit Hilfe eines Förderprogramms bemüht, den Stadtteil in ein vielfältig genutztes Quartier umzuwandeln und ein "verträgliches Miteinander" von Gaststätten und Wohnen erreichen will, sieht Bumiller positiv: "Die Stadt hat sich mit der Pflasterung der Straßen und Plätze viel Mühe gegeben." Das Stadtplanungsamt zahlt außerdem Zuschüsse an Eigentümer, die ihre Gebäude instand setzen und Wohnraum schaffen.

Auch das frühere CDU-Fraktionsmitglied Wolff Holtz hat sich Gedanken über Alt-Sachsenhausen gemacht. Seine Idee einer Sperrstunde um 1 Uhr stößt bei den Wirten allerdings auf Widerstand. Stärkere Kontrollen von einschlägig bekannten Betrieben durch das Ordnungsamt seien dringend notwendig, meint Holtz und fordert eine Arbeitsgruppe aus Planungs-, Wirtschafts-, Verkehrs-, und Sicherheitspolitikern, die sich mit dem Viertel beschäftigen soll. rsch.

Eine Podiumsdiskussion mit Bumiller, Deutsch und dem CDU-Stadtverordneten Jochem Heumann beschäftigt sich heute mit der Entwicklung von Alt-Sachsenhausen. Sie beginnt um 18 Uhr in der Gaststätte "Lorsbacher Thal", Große Rittergasse 49-51.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 22.03.2010, 23:37 Uhr