10.11.2009 · Die Stadt Frankfurt hat erstmals einen Architekturpreis für nachhaltiges Bauen vergeben. Umweltdezernentin Manuela Rottmann zeichnete dazu acht Gebäude aus: Vom Wohnhaus bis zum Büroturm.
Dotiert ist der Architekturpreis "Green Building Frankfurt" nicht. Und es gibt auch keine Staffelung vom ersten bis zum dritten Preis. Jedes Vorhaben sei gleichwertig und stehe für die die "ganze Bandbreite des nachhaltigen Bauens", sagte Umweltdezernentin Manuela Rottmann (Die Grünen) bei der Preisverleihung im Commerzbank-Hochhaus. Prämiert würden Vorzeigeprojekte, und damit würden Pioniere für ihren Mut belohnt. Die Grünen-Politikerin gab sich überzeugt, dass die Gebäude durch die Auszeichnung Aufmerksamkeit auf sich lenken und damit zur Nachahmung anstiften werden.
So wie es ihrer Ansicht nach der Commerzbank mit ihrer Zentrale Mitte der neunziger Jahre gelungen sei, das zu seiner Zeit auch grünste Hochhaus zu errichten. Es habe dafür gesorgt, dass der Funken auf andere Hochhaus-Bauherren übergesprungen sei. Schließlich sei es vor 15 Jahren noch für viele eine Verrücktheit gewesen, Hochhäuser mit zu öffnenden Fenstern zu bauen. Heute dagegen würden alte geschlossene Fassaden reihenweise umgebaut, um die Klimaanlagen zu entlasten. An einigen Fassaden werde bald Solarenergie gewonnen, Regenwasser diene zur Kühlung und Spülung.
Bei den Büroimmobilien will Rottmann längst den "heilsamen Zugzwang" zur energetischen Sanierung ausgemacht haben, die den Kohlendioxidausstoß um 30, 50 oder gar 70 Prozent senken könne. "Graue Burgen" aus den sechziger und siebziger Jahren mit katastrophalen Energiewerten stünden häufig leer, "was ich nicht schlimm finde".
Beim Wohnungsbau zeichnet sich diese Entwicklung noch nicht so deutlich ab. So hatten sich auch nur wenige Bauherren von Wohngebäuden um den "Green Building"-Preis beworben. Und nur drei der acht Ausgezeichneten hatten Wohnräume saniert oder neu geschaffen. Dafür aber gingen sie um so kreativer vor. Wie die Baugruppe Scheffelstraße, die im Nordend auf einem äußerst beengten Grundstück zehn familienfreundliche Stadthäuser errichtete.
Der Jury zufolge, die sich aus sechs Fachleuten zusammensetzte, ist dadurch ein "wirklich beispielgebendes" Gebäude entstanden, mit "hoher gestalterischer Qualität", unter Einhaltung des Passivhausstandards. Gleiches gelte für das "Minimum Impact House", ein auf einer Restfläche von nur 29 Quadratmetern errichtetes fünfgeschossiges Wohnhaus an der Walter-Kolb-Straße. Zu den prämierten Wohnprojekten zählt als Drittes die energetische Sanierung von Geschosswohnungsbau an der Tevesstraße, ein Vorhaben der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG-Holding.
Drei Kriterien mussten nach Vorgaben der Stadt die Preisträger erfüllen: Die Gebäude sollten innovativ, gestalterisch hochwertig und nachhaltig sein. Bei den Büroimmobilien wurden die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Bockenheim für die Sanierung ihres Haupthauses sowie den Neubau an der Palmengartenstraße prämiert, das "Haus Weißadlergasse" der Helvetia Versicherungen sowie das Commerzbank Hochhaus. Und die Liesel-Oestreicher-Schule in Preungesheim erhielt als einziges öffentliches Gebäude den Preis. Dort sei eine bereits vorliegende Planung noch nachträglich zum Passivhausstandard hin geändert worden und eine Schule mit "Wohlfühlqualität" entstanden. mch.