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Kunst in der Krankheit

01.12.2009 ·  Wanderausstellung mit Arbeiten Demenzkranker

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hob. ASCHAFFENBURG. Alois Alzheimer hätte sich sicherlich über das Interesse einiger Aschaffenburger an der nach ihm benannten Krankheit gefreut. In der Stadt, in der er das Gymnasium besucht hatte, wurde am Wochenende die Wanderausstellung "Kunst trotz(t) Demenz" des Stiftungsfonds Diadem der Stiftung Diakonie in Hessen und Nassau eröffnet. Alzheimer hatte vor mehr als 100 Jahren bei einer verstorbenen Patientin der "Städtischen Irrenanstalt" in Frankfurt krankhafte Veränderungen des Gehirns entdeckt. Damals war die Krankheit, die den Menschen ihren Verstand raubt, weitgehend unbekannt.

"Demenz löst Abwehr und Vermeidung aus", sagte Wilfried Knapp, Vorstand der Diakonie, bei der Ausstellungseröffnung im "Weißen Zimmer". Mit der Ausstellung wollen die Initiatoren "Herz und Sinne" der Betrachter öffnen. Ziel ist es, eine andere Perspektive zu zeigen, Verständnis, Akzeptanz und Engagement zu fördern. Projektleiter und Kurator Andreas Pitz, der schon die Ausstellung "Kunst trotz(t) Armut" vor zwei Jahren auf Wanderschaft geschickt hatte, wählte 100 Kunstwerke von 32 Künstlern aus Deutschland für "Kunst trotz(t) Demenz" aus. Wer die Werke betrachtet, erkennt nicht nur Verfall, Verzweiflung und Hilflosigkeit, sondern auch Kreativität, Glück, Liebe, Würde und Respekt.

Pitz hat Künstler entdeckt, die trotz ihrer Demenz weiterhin tätig sind oder erst nach ihrer Erkrankung damit begonnen haben. Andere Künstler verarbeiteten ihre Erfahrungen mit ihren Müttern und Vätern, die an Demenz erkrankt sind. Und einige haben eigens für die Ausstellung Werke geschaffen.

Von Jörg Immendorff ist das düstere Selbstporträt "Gebt mir mein Gesicht wieder" zu sehen. Der schwerkranke Künstler hat es zwei Jahre vor seinem Tod gemalt. Herbert Zang, ein Weggefährte von Joseph Beuys, hat trotz geistiger Verwirrung bis an sein Lebensende gemalt. Sein roter "Abstrakter Sonnenuntergang" ist auch das Titelbild des Ausstellungskatalogs. "Hommage an Mutter" nennt die Fotografin Ingrid Bahß die Schwarzweißaufnahmen ihrer Mutter, die in diesem Jahr gestorben ist. Sie fotografierte die Mutter, als sie eine Tischdecke zusammenlegt, glattstreicht, wieder auseinandernimmt, zurechtzupft und wieder von neuem faltet. Bernd Brach hat sogenannte Gefäße der Erinnerung geschaffen. Dazu zählen Sofakissen und Häkeldeckchen, die er mit Wachs überzogen hat.

"Kunst trotz(t) Demenz" ist noch bis 19. Dezember dienstags bis freitags von 16 bis 19 Uhr und samstags von 11 bis 14 Uhr im "Weißen Zimmer", Karlstraße 12-14, zu sehen. Am Samstag, 12. Dezember, wird um 12 Uhr eine Führung angeboten.

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