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Kliniken als Baustellen

Gerüste, Kräne, Baugruben: Baulärm gehört in den Frankfurter Krankenhäusern schon lange zum Alltag. Veränderte Abläufe, Rationalisierung und Spezialisierung machen Um- und Neubauten erforderlich. Außerdem müssen Gebäude grundsaniert werden.Von Ingrid Karb

Um ihre Kliniken fit für den Wettbewerb zu machen, haben sich einige Städte und Kreise in der Region für einen kompletten Neubau der Krankenhäuser entschieden. So ist das Klinikum Offenbach schon umgezogen, die Kliniken des Hochtaunuskreises in Bad Homburg und Usingen sind im Bau. Meist waren die baulichen Strukturen für die moderne Medizin ungeeignet, weite Wege und kleine Stationen nicht wirtschaftlich, war die energetische Sanierung zu teuer und der Neubau letztlich günstiger als eine Renovierung im Bestand.

Auch in Frankfurt-Höchst soll noch in diesem Jahr die Grube für einen vollständigen Klinik-Neubau ausgehoben werden. In Frankfurt ist diese Vorgehensweise ein Einzelfall, doch auch Uwe Kage, kaufmännischer Geschäftsführer der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik (BGU) in Seckbach, hält sie für die beste Lösung. Sie sei für Patienten und Personal am verträglichsten, weil Schmutz und Baulärm draußen blieben. "Wenn wir könnten, würden wir auch einen Neubau in den Garten stellen", sagt Kage. Doch der Landschaftsschutz, der am Rand der Großstadt für den Garten und anliegende Grundstücke im Besitz der Spezialklinik für den Bewegungsapparat gilt, erschwerte die Planung. Deshalb hatte sich die Geschäftsführung des Hauses mit knapp 350 Betten schon vor Kages Amtsantritt 2008 anders entschieden und mit einem Anbau für Notaufnahme, Radiologie, Operationsräume und Zentralsterilisation vor dem Haupthaus begonnen.

Das 40 Millionen Euro teure Gebäude wurde im Frühsommer in Betrieb genommen. Doch damit ist die Erneuerung noch nicht abgeschlossen. Insgesamt 180 Millionen Euro - und damit ebenso viel wie in den Neubau des Klinikums Höchst - sollen am Standort in Seckbach in den nächsten zehn Jahren investiert werden. Finanziert werden die Baumaßnahmen von den Berufsgenossenschaften.

Zur Zeit steht der nach Kages Ansicht schwierigste Teil des Umbaus an: der Übergang vom Neubau zum bestehenden Gebäude. Der Zwischenbau wird entkernt, um moderne Behandlungs- und Untersuchungsräume zu schaffen. Von den Bauarbeiten seien alle Wege innerhalb des Hauses betroffen, berichtet Kage. Um Besuchern das Zurechtfinden zu erleichtern, setzt die BGU am provisorischen Haupteingang Servicekräfte aus dem Hotelgewerbe ein, die die Patienten freundlich empfangen und auf den richtigen Weg schicken. In einem weiteren Bauabschnitt ist dann eine neue Eingangshalle mit einem Kongress- und Fortbildungszentrum geplant.

Auch werden weiter Räume umgewidmet: Langfristig soll nach Angaben von Kage das Hochhaus "patientenfrei" und sollen alle Funktionsräume im Erdgeschoss angesiedelt werden. Zuletzt werden dann die Bettenhäuser ersetzt und die vorhandenen Häuser aus den siebziger Jahren abgerissen. In den Betonbauten sei die Einrichtung eines WLAN-Netzes schwierig, was jedoch benötigt werde, um die Befunde künftig bei der Visite direkt am Krankenbett mit Hilfe von tragbaren Computern abzurufen, erzählt der Geschäftsführer. Auch die Zahl der Drei- und Vierbettzimmer werde dabei reduziert. Ein Neubau habe zudem den Vorteil, dass mit 50 Betten größere Stationen eingerichtet werden könnten und das nachträgliche Dämmen für die Energieeinsparung entfalle. Alle Baumaßnahmen sollen bis 2020 abgeschlossen sein.

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