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Kehraus im Henninger-Turm

25.05.2009 ·  Die Galerie Station im Frankfurter Mousonturm

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Das Neptun-Hochhaus zum Beispiel: leer. Oder Ferdinand Kramers Philosophicum: verwaist und abbruchreif. Von den erst vor ein paar Jahren sanierten Olivetti-Türmen Egon Eiermanns über das ehemalige Sozialrathaus im Gallus und den Bundesrechnungshof bis zum altehrwürdigen Henninger-Turm - Leerstand allerorten. Man muss nicht zur Sentimentalität neigen, um Frankfurts Umgang mit seinem architektonischen Erbe, insbesondere mit dem der Nachkriegsmoderne, als Trauerspiel zu begreifen. Um von dem, was längst unwiederbringlich verschwunden ist - das Rundschau-Haus etwa oder das Zürich-Hochhaus an der Alten Oper -, einmal ganz zu schweigen.

Wenn Ralf Barthelmes und Gregor Maria Schubert nun in der Galerie Station des Frankfurter Künstlerhauses Mousonturm unter dem sanft ironischen Titel "empty space" rund 30 Fotografien leerstehender Gebäude zeigen, dann mag man das durchaus auch als Requiem auf eine Architekturepoche begreifen. Das allein schon lohnt den Besuch der kleinen Ausstellung. Bei genauerer Betrachtung der betont sachlichen Aufnahmen zeigt sich hinter dem vordergründig dokumentarischen Ansatz allerdings eine zweite, sich in der Architektur lediglich manifestierende Ebene, um die es den beiden Künstlern ebenfalls zu tun ist: die verschiedenen, teils gegenläufigen, teils verdichteten oder auch von sanften Pausen unterlegten Rhythmen einer Stadt.

Neben zum Teil zu Ikonen gewordenen und zum Teil als Menetekel wahrgenommenen Bürogebäuden und Gewerbebauten haben Schubert und Barthelmes auch namenlose Häuschen in Alt-Bornheim, das Hotel Colonia in der Gelbehirschstraße oder die Villa Helfmann in ihr Kaleidoskop des Leerstands aufgenommen. Häuser mithin, die seit Jahren und Jahrzehnten im Dornröschenschlaf versunken sind und so lange dem Verfall preisgegeben werden, bis sie endlich als rettungslos verloren gelten müssen. Als Frankfurter kennt man sie fast alle. Und nimmt die meisten von ihnen kaum mehr war, bis sie ganz plötzlich und scheinbar über Nacht verschwunden sind. Nur die Stadt bleibt, was sie vermutlich immer war: dauernd eine andere.

Betty Stürmer und Otaku, die die Galerie Station parallel zur Schau von Schubert und Barthelmes bespielen, schlagen derweil mit ihrer Dokumentation von "DJ Everybody" andere Töne an, die den von leichter Melancholie grundierten Klang der Fotografien konterkarieren. Denn das von "Betty Party" alias Stürmer vor mittlerweile vierzehn Jahren in Berlin initiierte und seither in Clubs und Kunstvereinen erprobte Konzept, potentiell jedem für 15 Minuten Mikrofon und Plattenteller zu überlassen, transportiert neben Otakus raumfüllenden Drum-'n'-Bass-Rhythmen eine in diesem Kontext doch etwas irritierende gute Laune.

Zwar mag man anhand all der ausgestellten Flyer, Tapes und Line-up-Listen aus dem Berliner Tacheles, dem SO 36 oder Annette Glosers Galerie Fruchtig in seligen Erinnerungen schwelgen und womöglich sogar leicht sentimental werden angesichts all dieser schon viele Jahre verschwundenen Locations. "DJ Everybody" aber ist, wenn überhaupt, an einen Kontext und nicht an den konkreten Ort gebunden. Und Betty Party macht ohnehin ganz einfach weiter: heute bei der Vernissage im Mousonturm, im Berliner Kaffee Burger oder auch, wer weiß, eines schönen Tages im Panoramarestaurant des Henninger-Turms. Zum Kehraus. Bevor er über Nacht verschwindet. schü.

Die Ausstellung in der Galerie Station im Frankfurter Mousonturm, Waldschmidtstraße 4, ist bis 7. Juni freitags und samstags von 19 bis 22 Uhr, sonntags von 15 bis 19 Uhr sowie während der Vorstellungen geöffnet.

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