Home
http://www.faz.net/-1wc-zta7
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Kampf dem Wurzelschimmel

02.07.2008 ·  Hessen unterstützt Forschung / Winzer sind besorgt

Artikel Lesermeinungen (0)

obo. RHEINGAU. Wenn Blätter an der Rebe vergilben und in der Folge ganze Rebstöcke allmählich oder sogar schlagartig absterben, dann ist ein gefährlicher Bodenpilz am Werk. Rosellinia necatrix heißt die jüngste Bedrohung in den Rheingauer Weinbergen, und gegen Wurzelschimmel ist kaum ein Kraut gewachsen. Die Bekämpfung ist schwierig, und der einzige Ausweg für die Winzer scheint es, die Vitalität und Abwehrkräfte der Rebpflanzen zu stärken. Nach Angaben des Weinbauamts sind zwar erst weniger als drei Hektar und damit weniger als ein Promille der Rebfläche verseucht, doch werde sich die Bedrohung ausweiten. Inzwischen teilt das Land Hessen die Sorge der Winzer und unterstützt die Forschungsanstalt Geisenheim bei der Fortsetzung ihrer Untersuchungen zur Kontrolle und Bekämpfung des Erregers des Wurzelschimmels der Rebe.

Im Zuge eines Forschungsprojekts, das ursprünglich zur biologischen Kontrolle der Reblaus initiiert worden war, hatten Geisenheimer Wissenschaftler einen bisher wenig beachteten Bodenpilz als einen Verursacher der als "Wurzelschimmel" bekannten Rebenerkrankung erkannt und nachgewiesen. Der im Boden lebende Pilz befällt die Wurzeln der Rebstöcke, zerstört ihr Gewebe und führt so zu ihrem Absterben. Nach Ansicht des Ministeriums gibt es schon Schäden im Rheingau. Diese Krankheit stelle zudem eine Gefahr für den Weinbau nicht nur in der Region, sondern in ganz Deutschland dar.

Leider sei es Hessen bisher aber noch nicht gelungen, andere weinbautreibende Bundesländer zur gemeinsamen Förderung dieser Forschungsarbeit zu gewinnen, bedauerte Umwelt-Staatssekretär Karl-Winfried Seif (CDU). Umso wichtiger sei es, dass Hessen die Forschungsanstalt Geisenheim beim Kampf gegen den Schaderreger unterstütze. Die Forschungsanstalt ihrerseits will aber auch einen Antrag auf Förderung an das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz stellen.

Die weinbaupolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion und Rheingauer Abgeordnete Petra Müller-Klepper ist zufrieden, denn die Untersuchungen für eine Kontrolle und Bekämpfung des Wurzelschimmelerregers, der erhebliche Ernteausfälle verursachen könne, seien erst im Anfangsstadium. Offenbar gebe es auch Wechselwirkungen zwischen Reblaus und Pilzen, die verstärkt untersucht werden müssten. Die Winzer würden mit neuen Schaderregern konfrontiert, die teilweise noch nicht ausreichend erforscht seien. Ziel des Forschungsprojekts sei es, Strategien zu entwickeln, um Rebanlagen, die von Schädlingen befallen oder gefährdet seien, nachhaltig wirtschaftlich in der Produktion halten zu können.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel