03.02.2010 · Bei dem Jesuiten, der nach Bekanntwerden des sexuellen Missbrauchs von Schülern durch zwei Geistliche am Berliner Canisius-Kolleg ebenfalls sexuelle Übergriffe eingeräumt hat (F.A.Z. vom Mittwoch), handelt es sich um den in Frankfurt lebenden Gründer der Organisation "Ärzte für die Dritte Welt".
Bei dem Jesuiten, der nach Bekanntwerden des sexuellen Missbrauchs von Schülern durch zwei Geistliche am Berliner Canisius-Kolleg ebenfalls sexuelle Übergriffe eingeräumt hat (F.A.Z. vom Mittwoch), handelt es sich um den in Frankfurt lebenden Gründer der Organisation "Ärzte für die Dritte Welt". Wie der Generalsekretär des Hilfswerks, Harald Kischlat, gestern mitteilte, ist der Jesuit mit sofortiger Wirkung aus dem Vorstand zurückgetreten und auch nicht mehr Vereinsmitglied. Das Werk hat seinen Sitz in Frankfurt.
Nach Angaben des Jesuiten-Provinzials in Deutschland, Stefan Dartmann, war der Pater mit Aussagen von drei Opfern konfrontiert worden, die sich jetzt gemeldet haben. In einem Fall habe der Beschuldigte die Tat zugegeben und sich bei der Polizei angezeigt. Es gehe um Vorfälle in den siebziger Jahren, als der Jesuit in Hannover Jugendseelsorger gewesen sei. Dartmann zufolge hat es eine weitere Anzeige eines Opfers gegeben, dem absolute Vertraulichkeit zugesagt worden sei. Das daraufhin eingeleitete Verfahren gegen den Pater führte dazu, dass er im Jahr 2006 die Leitung der "Ärzte für die Dritte Welt" abgeben musste.
Laut Kischlat sind im Orden entsprechende Hinweise seit 2005 bekannt. Auch ein Vorstandsmitglied des Hilfswerks sei über die Vorwürfe informiert worden, habe aus Gründen der Vertraulichkeit gegenüber dem Opfer damals aber mit niemandem darüber gesprochen. Diese Person sei seit Sommer 2008 nicht mehr im Vorstand und habe am Dienstag ihre Mitgliedschaft im Trägerverein niedergelegt. "Allen anderen damaligen und heutigen Mitgliedern des Vorstands, des Kuratoriums, der Geschäftsleitung und des Vereins sind diese Tatsachen erst seit dem 2. Februar bekannt", so Kischlat. Es gebe derzeit keine Hinweise darauf, dass es im Rahmen der Arbeit des Paters für die "Ärzte für die Dritte Welt" zu Übergriffen gekommen sei. Es werde versucht, das aufzuklären.
Diese Zeitung hat ihre Leser zweimal um Spenden für die "Ärzte für die Dritte Welt" gebeten, 1999/2000 und in diesem Winter. Die von den Lesern unterstützten Aktionen sind von den aktuellen Vorgängen nicht betroffen.
Der Jesuit gehört zu einer Kommunität im Westend. Er wird weiter in ihr wohnen bleiben, wie der Obere Werner Löser gestern auf Anfrage sagte. Löser sagte, er hoffe, dass sich die nun anstehenden Gespräche, auch solche mit Opfern, heilsam auswirkten. toe.