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"Jammern hilft nicht - es muss gehandelt werden"

11.06.2008 ·  Überfüllte Klassen, Fachlehrermangel, Geld- und Lehrmittelknappheit: Mit einer "Lobby für Bildung" gehen die Eltern Wiesbadener Schüler an die Öffentlichkeit.

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müg. WIESBADEN. Die "Initiative 7G" will nicht etwa die Gymnasialzeit noch weiter verkürzen, sie steht vielmehr für sieben weiterführende Schulen - sechs Gymnasien und eine kooperative Gesamtschule mit insgesamt etwa 8000 Schülern. Deren Elternvertreter haben sich zusammengetan, um dafür zu werben, mehr in die Bildung zu investieren.

Die Gemeinschaftsinitiative, meinen die Elternvertreter, könnte Vorbildfunktion haben und weit über Wiesbaden hinaus für ganz Hessen wirksam werden. Ein von der Initiative unter dem Titel "Leidenschaft Bildung statt Leiden schafft Bildung - ein Wegweiser aus der Bildungsmisere" verfasstes Papier, das sie Anfang des Monats den für Schule und Bildung in Hessen Verantwortlichen hat zukommen lassen, ist nach Auskunft der Sprecherin der Initiative, Petra Langenstein, von den Gremien in Stadt und Land positiv aufgenommen worden.

Inhaltlich stimmten die Eltern auch in vielen Ansätzen mit der Richtung überein, die Kultusminister Jürgen Banzer (CDU) mit seinem 11-Punkte-Programm zur Verbesserung von G8 eingeschlagen habe, sagt die Vorsitzende des Schulelternbeirats der Gutenbergschule. Und nach den Regionalkonferenzen hätten die Schulleitungen ebenfalls den Eindruck: "Es läuft gut." Die Eltern fürchteten jedoch, dass es am Ende wieder am Geld mangeln werde, um die dringend notwendigen Verbesserungen tatsächlich auch durchzusetzen. "Wir wollen eine Art Lobby aufbauen, um klarzumachen, dass es sich in jedem Fall volkswirtschaftlich lohnt, in die Bildung zu investieren", so Langenstein. Durch die auf acht Jahre verkürzte Gymnasialzeit hätten die öffentlichen Hände, volkswirtschaftlich gesehen, ja ohnehin eine Menge Geld gespart - und was läge da näher, als das Ersparte "in die Bildung zurückzustecken"? Die aktuell besonders prekäre Situation der Gymnasien führt die Sprecherin auch darauf zurück, dass Hauptschule und auch Realschule von den Eltern nicht oder kaum mehr angenommen würden.

"Jammern hilft nicht - es muss endlich gehandelt werden", heißt es in dem Papier der Eltern. Viel zu große Klassen, Fachlehrermangel, Geld- und Lehrmittelknappheit: Die Rahmenbedingungen, unter denen die Schulen ihrem Bildungsauftrag gerecht werden müssten, würden "immer unerträglicher". Das gelte zum Beispiel auch für das sogenannte Funktionspersonal wie Hausmeister, Reinigungspersonal und die aufgrund des zunehmenden bürokratischen Aufwands völlig überlasteten Sekretärinnen.

Konkret führen das die Eltern am Beispiel der Diltheyschule vor Augen. Dem von etwa 1150 Schülern besuchten Gymnasium werden nur ein Hausmeister und 1,5 Stellen im Sekretariat zugestanden. Für die Hausmeister hätten sich

die Arbeitsbedingungen in den letzten Jahren derart verschlechtert, "dass sinnvolles, eigenverantwortliches Arbeiten kaum mehr möglich" sei. Die Reinigungskräfte stünden täglich vor der "unlösbaren Aufgabe", binnen nur einer Stunde - für sieben Euro brutto - Schulräume von insgesamt 250 Quadratmetern beziehungsweise 120 Quadratmeter Toilettenfläche sauber zu halten.

Zu den Verwaltungsbudgets der Schulen heißt es in dem Papier, sie dienten "nur einem Zugrundesparen": Die Renovierung und Instandhaltung von Klassenräumen und Schulhöfen wäre so ohne den tatkräftigen Einsatz von Schülern, Lehrern und Eltern nicht mehr zu leisten". Immer häufiger verlagere der Schulträger solche Aufgaben auf das Schulbudget, ohne für einen adäquaten finanziellen Ausgleich zu sorgen. Eltern und Sponsoren habe man es weitgehend überlassen, Informationstechnik, PC-Räume und deren Ausstattung auf einen zeitgemäßen Stand zu bringen; ähnlich verhalte es sich bei Materialien für Schülerexperimente in den Naturwissenschaften, für Sportgeräte oder die Ausstattung für Bibliotheken und Musikräume. Ein großes Gymnasium wie die Gutenbergschule kämpfe seit mehr als 20 Jahren vergeblich um die Einrichtung eines Biologieraums.

Wie "kurzsichtig" die Sparsamkeit der Stadt sei, wird schließlich auch am Beispiel der zum Teil provisorisch eingerichteten Mensen für Ganztagsunterricht vorgeführt: Für die 8000 Gymnasiasten gebe es gerade mal 600 Essensplätze.

Dass die Eltern mit ihrer "Initiative 7G" etwas bewirken können, davon ist Langenstein überzeugt. Die Reaktionen beispielsweise der Fraktionen im Stadtparlament auf das Papier "Leidenschaft Bildung statt Leiden schafft Bildung - ein Wegweiser aus der Bildungsmisere" seien durchweg positiv gewesen - und hätten ihr zudem signalisiert, dass die Auffassungen der Parteien so gegensätzlich gar nicht seien. Und vielleicht, so die Hoffnung der Eltern-Sprecherin, schafften es die Politiker im Rathaus ja sogar, "den Konsens, der uns gelungen ist, zu übernehmen".

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