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Im Gespräch: Paolo Carignani Yes, Sir, der Intendant entscheidet

31.01.2010 ·  Der ehemalige Frankfurter Generalmusikdirektor dirigiert am 18. März erstmals wieder in der Stadt, die er nach dem Ende seiner Opern-Amtszeit nur incognito besuchte. Von Guido Holze

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Vielleicht könnte Paolo Carignani demnächst einmal in ganz anderer Funktion in Frankfurt in Erscheinung treten: als "Ironman" beim gleichnamigen Extremsport-Wettbewerb. Jedenfalls interessiert sich der frühere Frankfurter Generalmusikdirektor (GMD) derzeit besonders für den Triathlon. Die Bewältigung einer entsprechend großen Schwimmdistanz (Olympiade 1,5 Kilometer, Ironman 3,8 Kilometer) und einer enormen Radfahrstrecke (Olympiade 40 Kilometer, Ironman 180 Kilometer) würde er sich schon zutrauen. Nur am Marathonlauf (42,2 Kilometer) scheitere es noch, bekennt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Gleichwohl erweist sich der großgewachsene, sportliche Maestro immer mehr als eine Art "Marathonmann". Denn zu seinen erstaunlichen Hobby-Erfolgen kommt ein ungekanntes künstlerisches Arbeitspensum: 91 Vorstellungen hat er im vergangenen Jahr weltweit dirigiert. "Das ist Rekord für mich", sagt der seit seinem Abschied von Frankfurt freischaffende Dirigent. New York, Wien, Amsterdam, Barcelona und München zählten etwa zu den Stationen, wobei der Schwerpunkt auf dem italienischen Opernrepertoire lag. In seiner Wohnung in der neuen Wahlheimat Zürich habe er so im vergangenen Jahr wohl nur etwa 30 Nächte verbracht.

Die Stadt in der Schweiz habe ihm schon immer gut gefallen. Schon vor seiner Frankfurter Zeit, vor zwölf Jahren, habe er hier zum ersten Mal ein Konzert dirigiert. Derzeit böten die schneebedeckten Berge natürlich einen besonders schönen Anblick. Einen zweiten Wohnsitz hat er in Mittelitalien mit einem Haus aus dem zwölften Jahrhundert in den Sibyllinischen Bergen, das er renovieren ließ und in dessen Umgebung er mit einem befreundeten Frankfurter Fotografen gern auf Mountainbike-Tour geht. In Frankfurt ist er seit seinem letzten Arbeitstag als Generalmusikdirektor am 29. Juni 2008 - dem Heiligentag "Santi Pietro e Paolo" - bislang nur zweimal "geheim" in privater Angelegenheit gewesen.

So ist Carignani am 18. März also zum ersten Mal wieder als Dirigent in Frankfurt zu erleben: In der Alten Oper tritt er ans Pult der NDR-Radiophilharmonie, um mit den Solisten Caroline Whisnant (Sopran), Nikolai Schukow (Tenor) und Christoph Stephinger (Bass) konzertant Ausschnitte aus Wagners "Lohengrin" und den ersten Akt der "Walküre" aufzuführen. Beides sind Werke, die er an der Oper Frankfurt als Generalmusikdirektor nicht geleitet hat, wenngleich er hier insgesamt vom "Fliegenden Holländer" bis "Parsifal" fast alle großen Musikdramen Wagners auf die Bühne brachte.

Mit dem Auszug aus der "Walküre" gibt er sozusagen eine Kostprobe aus der großen Tetralogie, die er in Frankfurt gern einmal im Ganzen geleitet hätte: Dass "Der Ring des Nibelungen" mit einem "Regisseur meines Vertrauens" hier sein "Abschiedsprojekt" hätte sein sollen, verhehlt er nicht. Dass es nicht zustande kam, war einer der Gründe für ihn, etwas eher "Auf Wiedersehen" zu sagen, wie er offen schildert.

Insgesamt blickt Carignani auf seine Frankfurter Zeit aber ohne Zorn zurück, sondern mit Zufriedenheit, und freut sich schon sehr auf den Abend in der Alten Oper. Schließlich habe er in Frankfurt "tolle Stücke" erarbeiten dürfen und in den Museumskonzerten im Konzerthaus auch sinfonisches Repertoire. Es sei eine optimale Verbindung zum richtigen Zeitpunkt gewesen: Bei seinem Amtsantritt 1999 sei er sehr ehrgeizig gewesen und habe sich musikalisch anspruchsvollen Aufgaben gestellt. Dass drei Sänger, die zu seiner Zeit Ensemblemitglieder der Oper Frankfurt waren, inzwischen weltweit Karriere gemacht hätten, freue ihn besonders. Gemeint sind Elina Garanca, Diana Damrau und Zeljko Lucic.

Letztlich habe er die Position des Generalmusikdirektors so lange gehalten wie von seinen Vorgängern lediglich Michael Gielen. Wie dieser von 1977 bis 1987 war er von 1999 bis 2008 fast zehn Jahre im Amt. Die Frage, ob für ihn jemals noch einmal eine Festanstellung an einem Opernhaus denkbar sei, mag Carignani nicht prinzipiell verneinen: Wenn er eine "Mannschaft" aufbauen und im Stagione- statt im Repertoirebetrieb arbeiten könnte, hielte er es nicht generell für ausgeschlossen. Allerdings habe er in zehn Jahren gelernt, was eine Festanstellung bedeute: "Generalmusikdirektor, das klingt so schön, aber die Entscheidungen werden vom Intendanten getroffen." Die Position sei heute nicht mehr so attraktiv wie früher und brauche nun eher einen "Yes-Man".

Dass seine Arbeit als Freischaffender auf das italienische Opernrepertoire fokussiert sei, stört ihn nicht. Schließlich sei er eben Italiener. Und: "Das ist nicht die schlechteste Musik." Als ihn Michael Hocks, der Intendant und Geschäftsführer der Alten Oper, für das nun anstehende Konzert ebenfalls um ein italienisches Programm gebeten habe, habe er ihn aber von dem Wagner-Abend überzeugen können. Eine "Gala" mit meist kurzen italienischen Arien sei aus seiner Sicht schwierig, weil kaum eine dramaturgische Spannung aufgebaut werden könne. Das sei mit dem durchgängig gespielten zweiten Akt der "Walküre" eher möglich. In Verbindung mit den Ausschnitten aus "Lohengrin" sei das sicher auch für das Publikum attraktiv.

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