06.06.2008 · Ein Neubau des Frankfurter Museums der Weltkulturen auf Offenbacher Gemarkung: Oberbürgermeister Schneider will die Region damit auch touristisch voranbringen.
FRAGE: Was bieten Sie Frankfurt konkret an?
ANTWORT: Ich biete einen prominenten Standort auf der Grenze zwischen Frankfurt und Offenbach an, auf der Hafeninsel, die wir dabei sind zu entwickeln. Es geht um ein Grundstück von 10000 Quadratmeter Größe, das mitten im Fluss liegt, wo man ein unübersehbares städtebauliches und architektonisches Zeichen setzen könnte.
FRAGE: Warum machen Sie dieses Angebot? ANTWORT:
Wir sind ja mental immer noch in einer Blockade, wie die Region ihre anachronistische Verfasstheit überwinden kann. Wenn wir einen Beitrag leisten können, ein exponiertes Grundstück bereitzustellen, das den Anspruch eines außergewöhnlichen Museums unterstreicht, dann ist das ein Beitrag, den Kern der Region gemeinsam zu stärken. FRAGE:
Warum machen Sie das Angebot ausgerechnet für dieses Museum?
ANTWORT: Es gibt den Metropolenanspruch der Region. Vor diesem Hintergrund das Museum der Weltkulturen sehr prominent zu verorten, in einer Region, die sich durch Internationalität, Interkulturalität und auch Interreligiosität auszeichnet, daraus könnten wir einen wunderbaren museumsdidaktischen Aufschlag machen. Anders als das Museum für außereuropäische Kultur in Paris, das die imperialen Beutezüge Frankreichs darstellt, haben wir die Möglichkeit, mit einem ganz anderen inhaltlichen Ansatz, mit einer anderen Botschaft unsere Region weltweit zu präsentieren.
FRAGE: Was passiert mit dem Ledermuseum?
ANTWORT: Das Deutsche Leder- und Schuhmuseum in Offenbach ist mit seinem Alleinstellungsmerkmal unauflösbar.
FRAGE: Selbstlos machen Sie dieses Angebot aber nicht, oder?
ANTWORT: Das Museum kann ein Nukleus sein für die Entwicklung des Offenbacher Hafenareals. Auch ein Standort für die Hochschule für Gestaltung ist an diesem Ort im Gespräch. Das sind interessante Perspektiven auch für die wirtschaftliche Entwicklung des Hafenareals.
FRAGE: Was hätte Frankfurt davon?
ANTWORT: Frankfurt hätte einen finanziellen Vorteil, weil keine Grundstückskosten entstehen. Mental würde Frankfurt ein Tabu brechen und ein unübersehbares Zeichen in die Region und vor allem in die benachbarte zweite Kernstadt Offenbach senden, dass Partner tatsächlich an einer gemeinsamen Zukunft arbeiten.
FRAGE: Wäre damit die ewige Rivalität zwischen Frankfurt und Offenbach beendet?
ANTWORT: Die vermeintliche Rivalität brauchen die Menschen nur, um Witze zu erzählen. Das hat mit dem wirklichen Leben nichts zu tun. Frankfurt braucht die Region, die Region braucht Frankfurt. Das Frankfurter Museum der Weltkulturen auf der Molenspitze in Offenbach - so würde die gegenseitige Abhängigkeit einmal in unübersehbarer Weise positiv gewendet.
FRAGE: Und bemerkte die Öffentlichkeit das auch?
ANTWORT: Ja, natürlich. Der Vorteil unserer Region ist ihre Polyzentrik. Aber die Wahrnehmung ist, dass der Kern zu klein und touristisch und kulturell nicht deutlich genug positioniert ist. Mit der Vergrößerung des Museumsufers in dieser Dimension wird die Attraktivität deutlich gesteigert - für den Welttourismus, also im ganz großen Maßstab. Davon bin ich fest überzeugt.
Die Fragen stellte Mechthild Harting.