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25.02.2010 ·  Kräftezehrend: Grigory Sokolov in der Alten Oper

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Grigory Sokolov mag keine halben Sachen. Der russische Pianist, der nicht nur äußerlich aus der Unzahl der Tastenlöwen herausragt, nimmt jede Note ernst, gestattet sich keine Kürzungen oder Erleichterungen. Dafür bot sein Abend für Pro Arte in der Frankfurter Alten Oper treffliche Beispiele, umso mehr, als er mit Schumanns Sonate Nr. 3 ein Werk gewählt hatte, das gewöhnlich vernachlässigt wird, nun aber erst vor wenigen Tagen an gleicher Stelle von Maurizio Pollini gespielt wurde. Schon Clara Schumann hatte die anderen Werke ihres Mannes vorgezogen, weniger aufgrund des ungewöhnlich hohen technischen Anspruchs der Sonate: Sie vermisste die charakteristischen Stilelemente. Das ausladende Werk ist in drei Fassungen überliefert. Während Pollini sich auf die dreisätzige Form konzentrierte, spielte Sokolov - wie es seine Art ist - die fünfsätzige Urfassung, sie bietet nicht nur einen leicht veränderten Variationensatz, sondern zwei Scherzi, die ihn einschließen. Wer dachte, das zweite von ihnen habe als Vivacissimo schon das äußerste Tempo erreicht, der erlebte ein Finale, das in seinem wogenden Wirbel den schon erheblichen Impetus des ersten Satzes noch bei weitem übertraf.

Die Sonate setzte einen nachdrücklichen Schlusspunkt unter ein Konzert, das schon in der ersten Hälfte allen Beteiligten Außerordentliches abverlangt hatte. Bei Bachs Partita c-Moll trug die konsequente Ausführung aller Wiederholungen nicht unerheblich dazu bei. In der Sarabande erzielte das diskrete Duettieren der beiden Stimmen eine außerordentlich dichte Atmosphäre, die auch die verschiedenen Teile der Eingangs-Sinfonia bestimmte. Hingegen wirkten die rascheren Suitensätze leicht monochrom, da Sokolov - im Gegensatz zu neueren Tendenzen der Barock-Interpretation - sich streng an den Text hält und sich auch in den Wiederholungen kaum einmal eine Verzierung gestattet. So ruht auf der dynamischen Gestaltung die gestalterische Hauptlast, wobei die verhaltenen Abschnitte, etwa in der Allemande, auch nach der Frankfurter Interpretation besonders im Gedächtnis bleiben.

Eigenwilligkeit zeichnet Sokolovs Wiedergabe von Brahms' Fantasien op. 116 aus. In den Capricci zügelt kraftvolles Energico nicht nur zu Beginn die sonst oft erlebte virtuose Raserei; emotionale Kern- und Zielpunkte sind die Intermezzi. So gewann das scheue e-Moll-Stück spröden Charme, während das anschließende Intermezzo in E-Dur bei aller Zartheit ein Übermaß an gefühligem Rubato erfuhr.

Nach dem kräftezehrenden Programm beschränkte sich der Pianist, der in seiner gewohnten Gelassenheit keinen Hauch von Ermüdung zeigte, bei seinen insgesamt sechs Zugaben klugerweise auf Miniaturen, neben einer Skrjabin-Piece Préludes des Jubilars Chopin. Neben leichteren Aufgaben wie den Stücken in e-Moll oder Des-Dur hatte er noch Kraft für das gefürchtete b-Moll- oder das kaum weniger anspruchsvolle d-Moll-Prélude. Beifallsstürme. Gerhard Schroth

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