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Grüne wollen Gesundheitszentren

15.07.2010 ·  Fraktion: Landarztpraxen haben keine Zukunft mehr

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ler. WIESBADEN. Die Landtagsfraktion der Grünen hat ein Konzept für eine bessere Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum vorgelegt. Es sieht "Häuser der Gesundheit" und "Ganzheitliche Versorgungszentren" sowie Gemeindepflegerinnen und -pfleger in Anlehnung an die früheren Gemeindeschwestern vor. In den "Häusern der Gesundheit" sollten die Angebote von Ärzten, Schulen und Kindertagesstätten, Altenheimen, Pflegediensten, Jugendhilfe und sozialen Einrichtungen vernetzt und die Gesundheitsförderung propagiert werden, sagte die Grünen-Abgeordnete Kordula Schulz-Asche gestern in Wiesbaden. In den Versorgungszentren sollten Hausärzte in Zusammenarbeit mit der Gemeindepflege den ärztlichen Notdienst sicherstellen. Krankenpfleger mit Zusatzausbildung könnten bei der Behandlung von Bagatellerkrankungen zum Einsatz kommen und Patienten zur besseren Vorsorge animieren.

In ärztlichen Zentren sei medizinische Hilfe auf dem Land besser sicherzustellen als in Einzelpraxen, sagte Schulz-Asche. Die Anschubfinanzierung sollten die Krankenkassen und die Kassenärztliche Vereinigung übernehmen. Zudem sollten in abgelegenen Gemeinden "Ärzte auf Rädern" die Patienten betreuen, und es müssten regionale "Rund-um-die-Uhr-Lieferdienste" der Apotheken eingeführt werden.

Die traditionellen Landarztpraxen als "Familienbetrieb" haben aus Sicht der Grünen keine Zukunft mehr. Im ländlichen Raum fehle oft eine Kinderbetreuung oder Arbeit für den Partner, sagte Schulz-Asche. 60 Prozent der Medizinstudierenden seien mittlerweile weiblich. "Die mithelfende Frau beim Landarzt wird es künftig nicht mehr geben." Zu den Forderungen der Grünen gehört auch die systematische Beobachtung der Ärztezahlen, um mögliche Lücken in der Versorgung rechtzeitig feststellen zu können.

Die SPD hieß das Konzept der Grünen gut, weil die CDU/FDP-Regierung die Lösung des Problems verschlafe. Union und Liberale wiesen dagegen darauf hin, dass die Landesregierung gerade ein Konzept ausarbeite, um die ambulante Versorgung sicherzustellen. Um dem drohenden Mangel an Medizinern zu begegnen, werde man versuchen, die Attraktivität der ärztlichen Tätigkeit auf dem Land durch Bürokratieabbau, bessere Arbeitsbedingungen und Bezahlung zu begegnen, sagte der FDP-Abgeordnete Leif Blum.

Notwendig sei insbesondere die Verkleinerung der Bezirke der Kassenärztlichen Vereinigung, äußerte der Parlamentarier Ralf-Norbert Bartelt (CDU). Zudem sollten Medizinstudenten mit Stipendien unterstützt werden oder eine Niederlassungsförderung erhalten, wenn sie sich verpflichteten, eine Praxis in einer strukturschwachen Region zu eröffnen.

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