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Grünalgen als Klimaretter

21.05.2011 ·  Forschungsprojekt auf der Ingelheimer Aue

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sug. MAINZ. Sie sind grün, klein und wachsen, wenn sie mit Kohlendioxid "gefüttert" werden: Deshalb könnten die Chlorella sorokiniana, Scenedesmus spec. oder auch Desmodesmus spec. genannten Grünalgen in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, Kohlendioxid aus den Rauchgasen von Kraftwerken umwelt- und klimafreundlich zu binden. Ob und wie das funktioniert, prüfen Wissenschaftler der Justus-Liebig-Universität Gießen nicht nur im Labor, sondern auch bei einem Feldversuch auf dem Gelände der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW) AG. Dort steht ihnen für das Forschungsprojekt echtes Rauchgas aus dem Gas- und Dampfturbinenkraftwerk zur Verfügung.

Der auf die Themen "Abfall- und Ressourcenmanagement" spezialisierte Universitätsprofessor Stefan Gäth und KMW-Vorstand Ralf Schodlok gaben nun am Standort Ingelheimer Aue einen Zwischenbericht zu dem von der Kraftwerke AG geförderten, "weil bundesweit einzigartigen Forschungsprojekt". Zwar gebe es auch andere Versuche zur Bindung von Kohlendioxid, allerdings ist das Gießener Team Gäth zufolge bei der Suche nach besonders "leistungsfähigen Algenarten" schon weit vorangekommen. Die Tatsache, dass man in Mainz "unter realen Bedingungen" testen könne, sei ein weiterer Vorteil, erklärte Gäth. Die Versuche mit Mikroalgen stehen im Wettbewerb mit der vieldiskutierten Abscheidungstechnik, bei der das verflüssigte Kohlendioxid zur Speicherung in Hohlräumen unter der Erde oder ins Meer gebracht werden muss, was laut Gäth nicht nur mit hohen Kosten, sondern zudem mit ökologischen Risiken verbunden ist.

Demgegenüber könnten die zu "fütternden" Algen - die sich bis zu viermal am Tag teilen, das ganze Jahr über wachsen und im Vergleich zu Raps oder Mais eine zwanzig bis dreißig Mal höhere Biomasse liefern - am Ende geerntet und weiterverwendet werden: etwa in der Kosmetikindustrie, der Pharmazie oder als Dünge- und Futtermittel. Auch zur Energieerzeugung könnten die Algen genutzt werden, was für die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden interessant zu sein scheint, weil sie an einer großen Biogasanlage im hessischen Ebsdorfergrund beteiligt sind. Die bisherigen Forschungsergebnisse nannte der Forscher, der im Einsatz von Grünalgen einen adäquaten Ersatz für die andernfalls notwendigen Speichervarianten sieht, "mehr als vielversprechend". Worüber die Bürger bei einem öffentlichen Vortrag in der zweiten Jahreshälfte viel mehr erfahren sollen.

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