29.07.2009 · Verbraucher sollten die Wahl ihrer Bank auch davon abhängig machen, wie gut und günstig sie an Bargeld kommen. Der Gang zum Automaten der Konkurrenz wird immer teurer. Von Petra Kirchhoff
Der Vorgang an sich kostet nach Einschätzung von Fachleuten gerade mal einen Euro. Im Schnitt verlangen Banken von ihren Kunden jedoch 5,14 Euro, wenn sie Geld mit der EC-Karte an einem fremden Bankautomaten abheben. Damit verteuerten sich die Gebühren in den vergangenen drei Jahren um 17 Prozent, wie die FMH-Finanzberatung in Frankfurt nach einer Auswertung von 50 Banken berichtet. Inzwischen verlangen 31 dieser Banken mehr als fünf Euro für den Gang zur Konkurrenz, das sind knapp dreimal so viel wie noch im Jahr 2006 (siehe Tabelle).
Als "völlig überzogen" kritisiert Eva Raabe von der Verbraucherzentrale Hessen den Anstieg und als besonders ärgerlich für solche Kunden, deren Banken nur ein überschaubares Netz an Geldautomaten bieten. In ländlichen Regionen etwa haben Kunden der großen privaten Banken und der Sparda-Banken schlechte Karten. Dagegen finden die Kunden von Volksbanken und Sparkassen an nahezu jedem Flecken einen Geldautomaten.
Die Sparkassen betreiben im Verbund rund 25 000 Automaten. Dagegen bieten die Großbanken gerade mal 7000 und die Sparda-Banken nur 2500. Braucht etwa ein Postbank-Kunde Bargeld und findet nur einen Automaten der Sparkasse, zahlt er dafür 5,99 Euro, ebenso der Kunde der Deutschen Bank.
Diese Gebühr setzten die Hausbanken der Kunden selbst fest. Sie rechtfertigen sie damit, dass die Fremdbanken für die Überlassung ihrer Automaten ein sogenanntes Interbanken-Entgelt verlangen. Die Postbank beziffert dieses Entgelt zurzeit mit sechs bis sieben Euro. "Damit ist eine Geldautomatentransaktion bei fremden Banken für uns leider in der Regel nicht kostendeckend", sagt eine Sprecherin der Bank.
Als "marktgerecht" bezeichnet auch ein Sprecher der Deutschen Bank die Fremdautomaten-Gebühr, die seit drei Jahren zum ersten Mal "angepasst" worden sei. Er weist darauf hin, dass nur ein geringer Prozentteil der Deutsche-Bank-Kunden die Möglichkeit, bei der Konkurrenz Geld zu ziehen, überhaupt nutze.
Wie hoch die Gebühr ist, die sich die Banken gegenseitig in Rechnung stellen, ist ein streng gehütetes Geheimnis. Branchenvertreter sprechen sogar von 20 Euro und mehr, die einige Institute verlangten. Diese Summe hält eine Vertreterin der Unternehmensberatung Steria Mummert jedoch für "sehr hochgegriffen". Sie sei allenfalls realistisch für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass ein Kunde am Schalter einer Fremdbank Geld abhole. Die Sprecherin ist überzeugt: "Es verdienen beide Seiten daran."
Hohe Gebühren sind freilich auch ein Abschreckungsinstrument. Sie sollen Kunden nach Einschätzung von Verbraucherschützern davon abhalten, die Konkurrenz zu nutzen oder womöglich ganz zu wechseln. Sparkassen und Volksbanken wiederum ärgert es, wenn Kunden der Direktbanken, die ja auch deshalb günstig sind, weil sie kein Filial- und Automatennetz unterhalten, sich ihrer Infrastruktur bedienen. Die ING-Diba ist ein gutes Beispiel. Gerade mal 1225 eigene Automaten, vornehmlich an Tankstellen, stehen den Kunden zur Verfügung. Mit der kostenlosen Visa-Card kommen sie jedoch an 50 000 Automaten in Deutschland, in allen Euro-Ländern insgesamt an 250 000, gebührenfrei an Bargeld. Die Gebühren, die sich die Banken für Kreditkarten-Vorgänge gegenseitig in Rechnung stellen dürfen, sind auf 1,74 Euro gedeckelt. Die ING-Diba gibt sie nicht an ihre Kunden weiter.
Als Reaktion haben rund 60 Sparkassen, so auch die Sparkasse Aschaffenburg-Alzenau, ihre Automaten für Kunden der ING-Diba gesperrt und spielen, wie es ein Pressesprecher der Direktbank ausdrückt, "die beleidigte Leberwurst". Mehrere Prozesse laufen. Der Sprecher sieht die Auseinandersetzung jedoch gelassen. Inzwischen beschäftige sich auch das Kartellamt mit dem Vorgang. Die Aufregung versteht er ohnehin nicht: "Dadurch, dass ein paar mehr Kunden am Automaten der Sparkasse Geld abheben, dürfte er auch nicht schneller kaputtgehen."