15.11.2009 · Seligenstädter Mönche tragen die Verantwortung. Sie haben vermutlich schon um das Jahr 1000 den Weinanbau in das heute bayerische Alzenau-Michelbach gebracht. Im benachbarten Alzenau-Hörstein betrieben sie einen Abtshof und hatten von dort die Südhänge am Rand des Spessarts in den Blick genommen.
Seligenstädter Mönche tragen die Verantwortung. Sie haben vermutlich schon um das Jahr 1000 den Weinanbau in das heute bayerische Alzenau-Michelbach gebracht. Im benachbarten Alzenau-Hörstein betrieben sie einen Abtshof und hatten von dort die Südhänge am Rand des Spessarts in den Blick genommen. Darunter den heute als "Apostelgarten" bezeichneten Weinberg. Dieser seit 1985 unter Denkmalschutz stehende Hang war Ziel der gestrigen Weinbergswanderung, zu der die Frankfurter Allgemeine Zeitung eingeladen hatte. Geführt wurden die etwa 100 Leser von Michael Neumann, Leiter der Abteilung Umwelt und Forsten der Stadt Alzenau. Dieser wies auch darauf hin, dass die Seligenstädter Mönche den Wein nicht nur selbst tranken, sondern dass er für sie zugleich eine "gute Einnahmequelle" darstellte. Heute sind die drei Alzenauer Stadtteile, in denen Wein angebaut wird - neben Michelbach und Hörstein ist dies noch Wasserlos - die nordwestlichsten Anbaugebiete für den Frankenwein in den typischen Bocksbeuteln. Neumann zufolge wird vor allem Riesling angebaut, nur in Michelbach hat der Silvaner Priorität, der hier auf Urgestein wächst, auf Gneis und Glimmerschiefer. Doch der Apostelgarten bietet nicht nur Einblick ins fränkische Weinwesen, sondern von oben einen ausgezeichneten Blick in die Rhein-Main-Ebene: vom Kraftwerk Staudinger im nahe gelegenen Großkrotzenburg bis zur Frankfurter "Skyline" auf der einen Seite und dem Odenwald auf der anderen. An der Orientierung Alzenaus in Richtung Rhein-Main-Gebiet ließ auch Bürgermeister Walter Scharwies (CSU), der die F.A.Z.-Gruppe am vollständig sanierten Michelbacher Schlösschen begrüßte und in die Stadtgeschichte einführte, keinen Zweifel. Ebenso wenig wie an der Bedeutung des Weinanbaus für seine Stadt. Und damit sich jeder von den Qualitäten der Trauben überzeugen konnte, lud Winzer Klaus Gündling vom Goldberghof zu Kostproben ein. Geboten wurden natürlich nur Weine, deren Reben am Apostelgarten wachsen. (mch.)