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Drei "michigeschädigte" Damen

10.12.2009 ·  Wolski-Prozess: Haushälterin zeichnet Bild einer ambivalenten Liebesbeziehung

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müg. DARMSTADT. Dreißig Jahre lang hat Rita T. dem begüterten Frankfurter Paar Margit und Ignaz C. den Haushalt geführt. Einen Haushalt, in dem bekannte Schauspieler ebenso verkehrten wie Prominente aus Politik und Wirtschaft. "Wir führten ein großes Haus", erinnerte sich Rita T. gestern vor dem Darmstädter Landgericht an die Zeiten, als in der Familie C. noch alles in Ordnung gewesen sei: Margit C. eine "immer treue Ehefrau", die beinahe täglich mit ihrer im Nachbarhaus mit Mann und drei Kindern lebenden Tochter Evelyn zusammenkam, der Schwiegersohn Janusz P., der sich nicht nur als Arzt fürsorglich um die Schwiegereltern gekümmert habe. Aber alles habe sich geändert, "als Wolski kam".

Gemeint ist der 66 Jahre alte Rechtsanwalt Michael Wolski, der sich vor der Wirtschaftsstrafkammer des Gerichts wegen Steuerhinterziehung im Umfang von annähernd 2,6 Millionen Euro verantworten muss. Dabei spielt die Frage, ob es sich bei den Zuwendungen der Margit C. an Wolski um Schenkungen oder um Honorare handelt, eine zentrale Rolle.

Von der Zeugin T. begehrte die Kammer deshalb Näheres über die persönlichen Beziehungen der Beteiligten zu erfahren, wie der Vorsitzende Richter Rainer Buss erläuterte. Dass derzeit in Abwesenheit des seit einem Suizidversuch verhandlungsunfähigen Angeklagten verhandelt wird, dürfte Rita T. erleichtert aufgenommen haben. Ohnehin war der 71 Jahre alten Frau der Auftritt vor Gericht "sehr unangenehm", wie sie die Richter mehrfach wissen ließ. Habe sie doch sehr gern bei dem Paar C. gearbeitet und sich mit ihrer 17 Jahre älteren Chefin so gut verstanden, dass sie eigentlich darauf gehofft habe, man werde den Lebensabend gemeinsam verbringen.

Seit ihrer Aussage bei der Polizei vor etwa vier Jahren hat sich diese Hoffnung zerschlagen. Margit C. habe ihr vorgeworfen, bei der Vernehmung "Scheiße erzählt" zu haben, sagte die Zeugin; dabei habe sie doch auch vor der Polizei die Wahrheit sagen müssen. Vom Verhältnis zwischen Wolski und ihrer Chefin zeichnete die langjährige Haushälterin das Bild einer ambivalenten Liebesbeziehung. Begonnen habe diese während jahrelanger Klinikaufenthalte des kranken Ehemannes Ignaz C.. "Was mache ich nur, wenn der Ignaz aus dem Krankenhaus kommt? Da kann der Michi ja nicht mehr kommen", habe die Chefin sich gesorgt. Schließlich habe man ihn in einem Pflegeheim untergebracht, wo er 2006 auch verstorben sei.

Margit C. hat ihre Haushälterin offenbar auch ins Vertrauen gezogen, wenn es Ärger mit "Michi" gab. In einer solchen Situation habe sie einmal geklagt: "Jetzt habe ich ihm ein Haus auf Mallorca gekauft, und jetzt verlässt er mich." Oder sie habe ihr einen Liebesbrief an Wolski zu lesen gegeben und wissen wollen, ob sie den so abschicken solle.

Etwa im Jahr 2001 habe Wolski dann noch eine 35 Jahre alte Freundin in Hofheim gehabt. Als Margit C. das erfahren habe, so die Zeugin, sei es "ganz schlimm" mit ihr geworden. "Ich werde ihn so mit Geld überschütten, dass er merkt, wer die Siegerin ist", zitierte T. ihre frühere Chefin.

Etwa seit der Jahreswende 2003/2004, nachdem Wolski angezeigt worden war, ging die intime Beziehung zu Margit C. jedenfalls nach außen hin zu Ende. Seither habe Wolskis Frau Margit C. an seiner Stelle nach Cannes begleitet oder zu Festspielen in Salzburg oder Verona. Beide Frauen seien zu "besten Freundinnen" geworden. Einmal seien die beiden auch gemeinsam mit Wolskis damaliger Sekretärin im Frankfurter Tigerpalast gewesen. "Da haben wir drei michigeschädigten Damen einträchtig beisammen gesessen", habe ihr die Chefin am nächsten Tag gutgelaunt berichtet.

Als es bei der Befragung der Zeugin um "intimere Details" ging, wurde die Öffentlichkeit auf Antrag der Verteidigung hin ausgeschlossen.

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