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Die Wand soll zum Garten werden

30.09.2009 ·  Der Zaun um den Palmengarten soll zu einem hängenden Garten werden. Direktor Jenny hat mit Patrick Blanc den international gefeierten Erfinder der vertikalen Gärten gewonnen.

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Die Hängenden Gärten der Semiramis zu Babylon zählten zu den sieben Weltwundern der Antike. Wird man demnächst von den hängenden Gärten des Matthias Jenny zu Frankfurt als einem neuen Wunder sprechen? Ein kleines Wunder wäre es jedenfalls, wenn es dem Palmengarten-Direktor gelingen würde, seinen Garten mit hängenden Gärten vor dem Lärm und den Abgasen auf der Miquelallee abzuschirmen.

Dann endlich wäre der Palmengarten jene vollkommene Oase der Ruhe, die er für Frankfurts Bürger sein soll. Und Frankfurt besäße den längsten hängenden Garten der Welt, nämlich eine mehr als einen Kilometer lange Wand aus Pflanzen, die den vorbeifahrenden Autofahrer darauf hinweisen würde, dass sich hinter ihr ein Gartenreich verbirgt - und die außerdem noch die Luft verbessern könnte. Pflanzen liebten nämlich CO2, sagt Patrick Blanc, der Erfinder der vertikalen Gärten, die er "Murs végétaux" nennt.

Vor zwei Jahrzehnten hat der 56 Jahre alte Franzose dieses neue Konzept der Stadtbegrünung entwickelt, bei dem Pflanzen in der Senkrechten übereinanderwachsen. Mittlerweile gilt Blanc als Star, auf allen Kontinenten hat er Aufträge für Pflanzenwände erhalten. Seine vertikalen Gärten schmücken Hotels wie das "Pershing Hall" in Paris, Museen wie jenes für moderne Kunst im japanischen Kanazawa und sogar staatliche Repräsentationsgebäude wie das Parlament in Brüssel. In Blancs Buch "Vertikale Gärten. Die Natur in der Stadt" kann man viele gelungene Beispiele studieren.

Vor zwei Tagen hat Blanc sich den Palmengarten zeigen lassen und mit Jenny Ideen für eine grüne Wand an der Miquelallee entwickelt. Dort ist der Palmengarten durch einen Drahtzaun von der stark befahrenen Straße getrennt, ein mittlerweile verrotteter Bretterwall im Garten dient als schwacher Lärmschutz. Blanc würde eine in drei bis fünf Metern Höhe wellenförmig verlaufende grüne Wand errichten, die Fenster besäße, durch die man in den Palmengarten blicken könnte.

Der Franzose hat bei der Begehung festgestellt, dass die vorhandenen Zaunpfosten stark genug sind, um seine patentierte Trägerkonstruktion stabil zu halten. Für jeden Standort sucht der Biologe eine Mischung von Pflanzen aus, die im jeweiligen Mikroklima gut gedeihen können. Sie wachsen auf einem unverwüstlichen Lager von Kunststoff-Vlies und werden mit Wasser berieselt.

Seine Arbeiten hat Blanc vorgestern in einem Vortrag im Palmengarten vorgestellt. Begeistert war nicht nur Umweltdezernentin Manuela Rottmann (Die Grünen), die Jenny freie Hand für das Vorhaben gab, sondern auch ein Architekt des Büros Coop Himmelb(l)au - vielleicht bekommt ja jetzt auch das geplante Hochhaus der Europäischen Zentralbank an der Großmarkthalle im Ostend eine Pflanzenfassade. Das wäre dann auf jeden Fall ein neues Weltwunder. rieb.

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