19.11.2009 · Vor dem Heimspiel gegen Mönchengladbach ist die Eintracht in Stürmernot. Nun fällt auch Nikos Liberopoulos aus: Der Grieche fliegt nach dem Tod seines Vaters in die Heimat. Von Ralf Weitbrecht
FRANKFURT. Wer soll bloß die Tore schießen? Jetzt muss die Frankfurter Eintracht auch noch auf ihren letzten echten verbliebenen Stürmer verzichten. Wenn an diesem Samstag (Anpfiff 15.30 Uhr) der Versuch gestartet wird, gegen Borussia Mönchengladbach Saisonheimsieg Nummer drei zu erzielen, wird Nikos Liberopoulos fehlen. Der Grieche ist in die Heimat geflogen - sein Vater ist gestorben. Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen hatte entgegen sonstigen Gepflogenheiten am Donnerstag an dem turnusgemäßen Pressegespräch teilgenommen, um die traurige Botschaft zu übermitteln: "Das ist keine schöne Situation", sagte der Frankfurter Manager. Für Liberopoulos' Familie nicht und für die Eintracht auch nicht, denn sie steht nun vor der herausfordernden Aufgabe, ohne klassischen Stoßstürmer die Borussia auf Distanz zu halten. Trainer Michael Skibbe muss umplanen, weiß aber noch nicht, wie dies personell ausschauen kann.
Möglich sind mehrere Modelle. Für eines hat sich vor dem Nachmittagstraining Patrick Ochs starkgemacht. Der flinke Verteidiger, der gegen Gladbach möglicherweise in einer Mittelfeldraute auf rechts spielt, "würde jetzt auf links Ümit Korkmaz und auf rechts Markus Steinhöfer bringen". Denkbar für Ochs wäre auch, "dass es der Trainer wie Felix Magath auf Schalke macht und einen jungen Spieler reinwirft". Skibbe muss eine Lösung finden, um das Ziel zu verwirklichen, das nicht nur Ochs vorschwebt: "Wir wollen die drei Punkte bei uns in Frankfurt behalten. Dann hätten wir neunzehn, und das wäre in Ordnung."
Die Eintracht ohne den 34 Jahre alten sturmerprobten Liberopoulos und vermutlich auch ohne den weiterhin verletzten brasilianischen Allrounder Chris - das ist ohne Zweifel eine Schwächung. In zehn von zwölf Spielen ist der Grieche für die Eintracht in dieser Saison am Ball gewesen. Er hat zwar nur ein Tor erzielt, doch wie schon zu Funkel-Zeiten gefällt Liberopoulos auch im aufgefrischten Spielsystem von Skibbe als kluger Vorbereiter mit dem besonderen Blick für den freien Mann. Vor knapp eineinhalb Jahren nur deshalb nach Frankfurt gekommen, weil sich der damalige Neuzugang Ümit Korkmaz im Sommertrainingslager den Mittelfuß gebrochen hatte, machte sich der dreimalige "Fußballer des Jahres" sofort einen Namen - und letztlich unverzichtbar. Gegen Gladbach dürfte sich dieser kuriose Kreis schließen, denn Korkmaz steht endlich vor dem Sprung in die Stammelf. Der kleine Tempodribbler aus Wien hinterließ in den vergangenen Trainingseinheiten gute Eindrücke.
Nachdem die Nationalmannschaft am Mittwoch gegen die Elfenbeinküste den Anfang machte, wird es auch in der Bundesliga konzertierte Traueraktionen nach dem Todesfall Robert Enke geben. Die Deutsche Fußball Liga gab allen Klubs entsprechende Empfehlungen an die Hand, denen die Eintracht nur bedingt folgen wird. So hat es Bruchhagen abgelehnt, die sogenannten "Einlaufkinder" aus dem Programm zu streichen. "Die freuen sich seit Monaten auf dieses Spiel. Da machen wir nicht mit. Wir entscheiden autark." Auch bei der Suche nach einem mehr als dringend benötigten Stürmer wollen die Eintracht-Verantwortlichen Unabhängigkeit wahren. "Die Stürmersuche ist täglich Gegenstand der Betrachtensweise." Und auch die Strategie, mit der man in den kommenden Wochen Gespräche mit Fußballprofis führen will, deren Verträge zum Saisonende auslaufen, ist umrissen. "Die Schrittigkeit, wie wir verfahren, ist festgelegt", sagte Bruchhagen in der ihm eigenen Wortwahl, ohne weiter in Details gehen zu wollen. Insgesamt zehn Kontrakte neigen sich dem Ende zu. Bruchhagen erneuerte, dass man den "zu großen Kader auf jeden Fall verkleinern" wolle, auch um finanziellen Spielraum für Neuverpflichtungen zu gewinnen. Oberste Priorität genießt nach wie vor der Sturm.