Home
http://www.faz.net/-1wc-16h6s
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Die Rückkehr des Grüns in die Stadt

19.05.2010 ·  Landschaftsarchitektur für das 21. Jahrhundert zeigt eine Ausstellung, die das Architekturmuseum mit dem Palmengarten gestaltet hat.

Artikel Lesermeinungen (0)

Zuerst war der Wunsch nach einer Kooperation zwischen dem Deutschen Architekturmuseum und dem Palmengarten vorhanden, dann erst fand man das gemeinsame Thema: "Stadt-Grün", die Präsentation von beispielhafter europäischer Landschaftsarchitektur für das 21. Jahrhundert. So hat es Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums, bei der Präsentation der Ausstellung geschildert, die heute um 19 Uhr in der Galerie am Palmenhaus eröffnet wird und bis zum 22. August zu sehen ist.

Freimütig berichtete Schmal von den Schwierigkeiten, die auftraten, als deutlich wurde, dass in dieser Ausstellung lebende Pflanzen zusammen mit Architekturmodellen, weißen Wänden und bestechenden Fotografien der Gärten, Promenaden und Parks gezeigt werden sollten. Denn der Palmengarten, der, profan gesprochen, einfach nur Ausweichquartier für das Architekturmuseum ist, das derzeit grundlegend saniert wird, wollte sich an der Ausstellung unbedingt beteiligen. So wird den 27 ausgestellten Beispielen für eine besondere Freiraumgestaltung in europäischen Städten jeweils ein größerer Blumenkübel zugeordnet, in dem sich die Pflanzen wiederfinden, die in dem jeweiligen Projekt auch verwendet wurden.

Für Schmal am eindrucksvollsten war dabei offenbar die Erfahrung, dass zu Präsentationszwecken nicht nur einzelne Pflanzen besorgt wurden, sondern dass die Gärtner des Palmengartens Ersatzexemplare vorhalten, um Pflanzen auszutauschen, "sollte eine schwächeln", wie Museumsdirektor amüsiert feststellte. "Wir haben noch nie eine Ausstellung gemacht, bei der wir im Hintergrund noch eine Ersatzmodell stehen hatten." Karin Wittstock vom Palmengarten zeigte sich erfreut über die Folgen der Bauarbeiten im Museum am Schaumainkai und hofft auf weitere Kooperationen.

Dazu könnte es leicht kommen, denn das Ziel der Ausstellung ist nach Angaben von Kuratorin Annette Becker, dem innerstädtischen Grün eine höhere Wertschätzung zukommen zu lassen. Es müsse "ein bisschen behutsamer damit umgegangen werden". Das Architekturmuseum wolle die "Begeisterung für innerstädtisches Grün wiederbeleben", wie sie in Frankfurt zu Zeiten der Schaffung der grünen Wallanlagen und der Wallservitut vor 200 Jahren geherrscht habe. Auch die Pflanzen selbst seien "in Vergessenheit geraten", so Becker, und müssten nun wieder in den Vordergrund gerückt werden. Die Ausstellung zeige deshalb Biotope vom Blumenbeet bis zur innerstädtischen Wildnis. "In einer Stadt gehört alles zusammen: die reine Ökologie wie gestaltete Gelände."

Für beides lassen sich in der Ausstellung Beispiele finden: etwa das wild bewachsene Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofs Tempelhof in Berlin, das zum Naturpark Schöneberger Südgelände wurde, oder die Alleen und Rabatten der "Promenade Plantée" in Paris, die 1991 auf dem Hochgleis einer stillgelegten Eisenbahnlinie entstand. Gezeigt werden auch zwei Frankfurter Beispiele: das Mainufer, das Becker als "einzigartiges Erfolgsprojekt" vorstellte, und der Alte Flugplatz in Bonames.

Der Palmengarten hätte gerne ein weiteres Projekt auf eigenem Gelände präsentiert: den längsten vertikalen Garten der Welt, entworfen vom renommierten französischen Landschaftsarchitekten Patrick Blanc. Doch für die 1000 bis 1300 Meter lange und zwei bis drei Meter hohe grüne Wand, die der Palmengarten gerne am nördlichen Zaun in Richtung Zeppelin- und Miquelallee installieren möchte, fehlt es noch an Geld. Nach Angaben Wittstocks wären dafür 2,5 bis drei Millionen Euro notwendig, für die Sponsoren geworben werden sollen. Im Übrigen müsse der Zaun, so Wittstock, ja nicht auf einmal errichtet werden.

Einen kleinen Vorgeschmack auf Blancs Arbeit gibt es in der Ausstellung: Im Entrée zeigt der Künstler, ein Tropenbotaniker, auf einem zwei mal drei Meter großen Paneel eine Art Muster seiner "Mur végétal", wie es sie beispielsweise in Madrid, aber auch in Berlin gibt. mch.

Die Ausstellung "Stadt-Grün - Europäische Landschaftsarchitektur für das 21. Jahrhundert" wird heute um 19 Uhr eröffnet und ist bis zum 22. August in der Galerie im Palmengarten zu sehen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel