28.01.2010 · Die Kriminalstatistik für Wiesbaden zeigt, dass sich immer mehr junge Leute den Ordnungskräften und ihren Anweisungen widersetzen.
htr. WIESBADEN. Die Zahl der Einbrüche in Wohnungen ist in Wiesbaden deutlich gesunken, während sie in Hessen signifikant stieg. Die Kriminalstatistik der Landeshauptstadt verzeichnet für 2009 im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang um 16,6 Prozent. In Hessen wurde dagegen ein Anstieg von mehr als zwölf Prozent registriert. "Uns sind viele durchreisende Banden erspart geblieben, die andere Gegenden heimsuchen", meinte Karlheinz Schaffer, der Leiter der Kriminaldirektion Westhessen, als er das Zahlenwerk gestern erläuterte. Außerdem habe sich die Prävention ausgezahlt. Vor allem die Beratungsstelle im Neubau des 1. Reviers am Platz der Deutschen Einheit werde von vielen Bürgern aufgesucht, die sich gegen Einbruch schützen wollten.
In der Gesamtschau fällt der Vergleich mit Hessen für die Landeshauptstadt allerdings nicht so gut aus. So ist beispielsweise die Zahl der Straftaten in Wiesbaden um 1,7 Prozent gestiegen, während sie in Hessen leicht abnahm. Die Aufklärungsquote liegt bei 53,7 Prozent. Das ist nach Schaffers Angaben das beste Resultat im zurückliegenden Jahrzehnt. Doch die Durchsetzungskraft der Ordnungskräfte stößt immer häufiger auf unerwartete Grenzen. Die "Widerstandshandlungen gegen Vollstreckungsbeamte" nehmen nämlich bei jungen Leuten drastisch zu. 2008 wurden 78 Heranwachsende im Alter zwischen 18 und 21 Jahren gezählt, die sich Polizeibeamten oder Ordnungskräften der Stadt widersetzten oder sie angriffen. Ein Jahr später lag die Zahl bei 236.
Als mögliche Erklärung für das Phänomen beschrieb die Polizei die häufige Konstellation, in der eine Gruppe von Halbstarken ein oder zwei Beamten gegenüberstehe. In dieser Situation erlägen viele der Versuchung, sich in der Gruppe durch aggressives Verhalten hervorzutun. Die Wiesbadener Statistik spiegelt in diesem Punkt einen Bundestrend wider. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Täter in der Regel sofort identifiziert werden. Dasselbe gilt für die sogenannte häusliche Gewalt. Dass die Zahl der Fälle auch im vergangenen Jahr deutlich anstieg, wird auf Gesetzesänderungen und einen viel sensibleren Umgang der Bevölkerung mit dem Thema zurückgeführt.
Die Polizei ist überzeugt, dass es noch immer eine hohe Dunkelziffer gebe. In Wiesbaden kümmert sich eine Arbeitsgruppe um solche Fälle. Sie kooperiert mit Frauenhäusern und anderen sozialen Einrichtungen. Zugenommen hat jedenfalls statistisch gesehen auch der Missbrauch von Kindern. Das liegt neben der gestiegenen Sensibilität potentieller Zeugen allerdings auch an der Definition der Straftat. Dazu gehört nämlich neuerdings auch der Exhibitionismus vor Kindern. Außerdem wird vielen Opfern heute auch dann zu einer Anzeige geraten, wenn die Tat schon Jahre zurückliegt. Das soll helfen, die Tat psychisch zu verarbeiten.
"Stalking" wurde in Wiesbaden in 170 Fällen angezeigt. Auch der Täter, der einem Opfer nachstellt, wird in der Regel dingfest gemacht. Bei knapp 90 Prozent liegt die Aufklärungsquote in den Fällen von Körperverletzung. Deren Zahl ist um mehr als zehn Prozent gestiegen. Auch in diesen Konstellationen kennen Täter und Opfer sich meistens.
Dasselbe gilt für Beziehungen, die für das Opfer tödlich enden. In Wiesbaden wurden im vergangenen Jahr exakt elf "Straftaten gegen das Leben" verübt. Der Durchschnitt des zurückliegenden Jahrzehnts lag bei 15. Schaffer unterstrich, dass seine Leute bei derartigen Verbrechen jedes Mal "das volle Instrumentarium auffahren", um der Täter habhaft zu werden. Im vergangenen Jahr habe man alle Verbrechen aufgeklärt.
Weil es sich um eine polizeiliche Statistik handle, wollte Schaffer den Fall der ermordeten Türkin Nurdan E. auch ohne Gerichtsurteil als aufgeklärt betrachten. Denn die Polizei habe ihre Ermittlungen abgeschlossen, und der mutmaßliche Täter sitze in Untersuchungshaft.