06.07.2009 · In Südhessen gründet sich eine "Allianz für den Sonntag"
h.r. DARMSTADT. Auf Initiative des Evangelischen Dekanats Bergstraße hat sich in der Region Starkenburg eine "Allianz für den freien Sonntag" gegründet. Die Allianz fordert einen konsequenten Schutz der Sonn- und Feiertage und ruft dazu auf, den Menschen in den Mittelpunkt allen wirtschaftlichen Handelns zu stellen. Welche Auswirkungen es haben kann, wenn reine Gewinnmaximierung im Mittelpunkt des Wirtschaftens stehe, zeige die aktuelle Finanz- und Bankenkrise. Erstunterzeichner der gemeinsamen Erklärung sind die evangelischen Dekanate Bergstraße, Ried, Reinheim, Groß-Umstadt, Darmstadt-Land und Darmstadt-Stadt, die drei katholischen Dekanate Bergstraße-West, Bergstraße-Ost und Bergstraße-Mitte sowie der Deutsche Gewerkschaftsbund Region Südhessen, die Gewerkschaft Verdi Südhessen und der Olympische Club Starkenburg.
Die Mitglieder der Allianz sehen, wie es in ihrer Erklärung heißt, die Gefahr, dass der Sonntag immer mehr unter das Diktat des Konsums und der Ökonomisierung gerät. Der arbeitsfreie Sonntag sei bedroht. Dies zeige die wachsende Zahl von Menschen, die am Sonntag arbeiten müssten. Nach Angaben des DGB-Vorsitzenden Jürgen Planert sind es bundesweit fast zehn Millionen: "Früher hieß der Gewerkschaftsslogan ,Samstags gehört mein Papi mir', jetzt sind wir beim Sonntag gelandet, den wir als arbeitsfreien Tag verteidigen müssen", sagte Planert bei der Unterzeichnung der Erklärung.
Die Dekanin der Bergstraße, Ulrike Scherf, verwies auf den Sonntag als "Kulturgut" eines christlichen Europa: "Der Sonntag ist für uns als evangelische Kirche eine notwendige und ,geheiligte' Unterbrechung der Arbeit und entspricht nicht nur dem in der Schöpfung angelegten Lebensrhythmus aus Arbeit und Ruhe. Er garantiert auch, dass Menschen mit einer immer differenzierteren Lebenswelt diesen Tag gemeinsam erleben können." Der katholische Dekan Ronald Givens appellierte an die Verantwortlichen in der Politik, statt Sonntagsreden zu halten, sich für den arbeitsfreien Sonntag einzusetzen: "Ich wünsche mir Politiker, die ihre Macht nutzen, das zu tun, was sie tun können."
Die Allianz versteht sich als Netzwerk, das Aktionen anregen, Informationen geben, Verbände und Politiker ansprechen will und weitere Bündnispartner sucht. Ziel ist es, den Sonntagsschutz in ganz Südhessen in den Fokus der Entscheidungen auf politischer und gesellschaftlicher Ebene zu rücken und das "Kulturgut Sonntag" gegen die zunehmende Ökonomisierung zu verteidigen. Dass dies nicht zuletzt auch für die Sportvereine wichtig ist, hob Heinz Huba vom Olympischen Club hervor. Sportvereine beklagten sich schon heute über die schrumpfende Zahl von Menschen, denen noch Zeit für ehrenamtliches Engagement bleibe.