21.06.2009 · Acht neue Profis aus aller Herren Ländern haben die Bornheimer bereits unter Vertrag. Vier weitere sollen rasch kommen. Trainer Oral freut sich auf den großen Neuanfang. Von Jörg Daniels
FRANKFURT. Das ist neu für den jetzt vielbeschäftigten Tomas Oral. Am Sonntagmorgen landete der Fußballtrainer des FSV Frankfurt erst kurz vor dem Trainingsstart des Zweitliga-Klubs am Frankfurter Flughafen - von Göteborg aus kommend. In Schweden verfolgt Oral gerade im Rahmen seiner Ausbildung zum Fußballlehrer die U-21-Europameisterschaft. Dabei musste seine Lehrgangsgruppe, zu der Christian Ziege sowie der frühere Eintracht-Stürmer Arie van Lent gehören, die englische Nationalmannschaft analysieren, auf die Deutschland an diesem Montag trifft. Schon vor dem Nachmittagstraining am Sonntag am Bornheimer Hang, das der neue Assistenztrainer Gerhard Kleppinger zusammen mit seinem Kollegen Manfred Binz leitete, flog Oral wieder zurück nach Göteborg. "Es gibt keine Ausreden." Er nehme die Situation "absolut positiv" an, sagte der Trainer über sein Arbeitspenum im In- und Ausland.
Auf seiner Zwischenstation in Frankfurt begrüßte Oral eine fast runderneuerte FSV-Mannschaft. Die acht Profis Pekka Lagerblom (Alemannia Aachen), Nicolas Ledgerwood (1860 München), Alexander Voigt (Spielvereinigung Greuther Fürth), Dajan Simac (SV Wehen Wiesbaden), Christian Müller ( FC Augsburg), Pai Saikou Kujabi (SV Ried), Matthew Taylor (TuS Koblenz) und Torhüter Florian Stahl (zuletzt vereinslos) hatten die Bornheimer bereits in den vergangenen Wochen unter Vertrag genommen. Der nächste Neuzugang ist wohl der Brasilianer Gledson. Mit dem 29 Jahre alten Innenverteidiger ist sich der FSV einig. Nun muss Gledson, der bereits mit den Frankfurtern trainierte, noch mit Hansa Rostock Übereinkunft erzielen, an die er bis zum 30. Juni 2010 gebunden ist. Allerdings plant der dortige Trainer Andreas Zachhuber nicht mehr mit dem Abwehrspieler. Planungssicherheit hat der FSV seit Sonntag im Fall von Junior Ross. Den Offensivspieler aus Peru haben die Bornheimer nach Angaben ihres Sportlichen Leiters Uwe Stöver für ein Jahr von Coronel Bolognesi ausgeliehen. Im Probetraining befindet sich unterdessen der Bulgare Svetozar Nikolow. Der 26 Jahre alte offensive Mittelfeldakteur spielte zuletzt in Österreich - in der dritten Liga beim Regionalligaverein Blau-Weiss Linz. Geht es nach Oral, kommen noch vier neue Gesichter hinzu. Möglichst rasch will der FSV drei offensive Mittelfeldspieler sowie einen "qualitativ hochwertigen" (Stöver) Angreifer verpflichten. Mittelfeldspieler Markus Kreuz hingegen erhält in Frankfurt keinen neuen Vertrag. Auch Stürmer Henrich Bencik steht trotz bestehenden Vertrags vor dem Absprung.
"Ein ganz so großer Umbruch war nicht geplant", sagte Oral. Doch gerade im Saisonendspurt der abgelaufenen Runde bekam er bei manchem Spieler seine Zweifel. "Wir wollen jetzt den nächsten Schritt machen und uns weiterentwickeln", so der Trainer. Profis wie Kreuz, Lars Weißenfeldt oder Oualid Mokhtari traut Oral offenbar nicht zu, dass sie dem FSV helfen können, sich in der zweiten Liga zu etablieren. Nicht mehr ins Konzept zu passen - diese Botschaft werden die drei indes mit Unverständnis aufgenommen haben, wollen sie vom FSV in den Wochen vor dem Saisonende doch jeweils Signale für eine Vertragsverlängerung bekommen haben. Auch Innenverteidiger Markus Husterer haben "ein paar Personalien überrascht. Doch das ist Sache des Vereins. Ich freue mich, dass ich noch hier bin, weil ich mich in Frankfurt sehr wohl fühle." Kompromisse bei der Kaderplanung für das kommende Spieljahr ist Oral nicht bereit einzugehen. "Ich hätte mir schon gewünscht, dass die eine oder andere Position in der Offensive bereits besetzt ist. Es nützt aber nichts, wenn wir uns in der Breite verstärken." Immerhin steht die Bornheimer Defensivabteilung nun. Hinten rechts in der Viererkette sind Simac oder Stefan Hickl eingeplant. Davor könnte Müller im Mittelfeld zum Einsatz kommen. Für die beiden Innenverteidigerposten stehen Alexander Klitzpera, Husterer sowie wohl Gledson zur Verfügung. Auf der Sechserposition im defensiven Mittelfeld kann Oral mit Sead Mehic, Ledgerwood und Lagerblom rechnen. Wobei sich der Neuzugang aus Aachen in der Zentrale nach eigenem Bekunden gerne auch nach vorne orientiert. Hinten links sind Voigt, Kirian Ledesma und Kujabi die Optionen für den Trainer. Der gambische Nationalspieler Kujabi ist zudem eine Alternative für die linke Mittelfeldseite. Die Frankfurter Offensivkräfte bilden bisher Matias Cenci, Junior Ross sowie Taylor.
Oral wird am kommenden Mittwoch zurückerwartet. In Kürze ist der Trainer dann einige Wochen am Stück in Frankfurt, weil er im Rahmen der Fußballlehrerausbildung sein Praktikum im eigenen Verein macht. Für den großen Neuanfang beim FSV kann das nicht schaden.