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Börsenrat lässt Parketthandel überprüfen

10.04.2009 ·  kann. Frankfurt. Der Parketthandel der Deutschen Börse in Frankfurt steht möglicherweise vor großen Veränderungen. Der Börsenrat, oberstes Gremium der öffentlich-rechtlichen Frankfurter Wertpapierbörse, hat der Geschäftsführung aufgetragen, den Handel auf seine Effizienz hin zu prüfen.

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kann. Frankfurt. Der Parketthandel der Deutschen Börse in Frankfurt steht möglicherweise vor großen Veränderungen. Der Börsenrat, oberstes Gremium der öffentlich-rechtlichen Frankfurter Wertpapierbörse, hat der Geschäftsführung aufgetragen, den Handel auf seine Effizienz hin zu prüfen. Wie zu hören ist, könnten weite Teile auf das vollelektronische Handelssystem Xetra übertragen werden. Der Präsenzhandel im Gebäude der Industrie- und Handelskammer in Frankfurt könnte dadurch weiter an Bedeutung verlieren oder sogar geschlossen werden.

Schon heute wird auf dem Parkett nur noch ein Bruchteil des Volumens gehandelt, das die Deutsche Börse verzeichnet - die als Privatunternehmen mit Lizenz des Landes Hessen den Wertpapierhandel in Frankfurt betreibt. Der Geschäftsbericht 2008 des Marktbetreibers weist aus, dass über Xetra Wertpapiere im Wert von 2149 Milliarden Euro ver- und gekauft wurden, auf dem Parkett hingegen nur noch 80,1 Milliarden. Der Parketthandel zeichnet sich dadurch aus, dass zwischen Verkäufer und Käufer noch eine reale Person, der Skontroführer, sitzt, der den jeweiligen Preis errechnet. Herrschte dereinst in dem Handelssaal reger Betrieb, weil Bankenvertreter mit der Order ihrer Kunden zu den Skontroführern liefen, so sitzen diese inzwischen weitgehend isoliert in ihren weißen Runden, erhalten die Aufträge via Internet - und dienen als Hintergrund für die Fernsehberichterstattung.

Mit einer Verlagerung weiterer Wertpapiersorten auf das Xetra-System dürfte das Geschäft dieser Skontroführer schrumpfen. Derzeit hat die Deutsche Börse rund 20 Unternehmen mit diesen Makleraufgaben betraut, die meisten von ihnen sind kleine Frankfurter Wertpapierhandelshäuser, die zum Großteil von diesem Geschäft leben.

Lutz Raettig, der dem Börsenrat vorsitzt, sagte am Donnerstag, dass die Arbeit der eingesetzten Arbeitsgruppen "völlig ergebnisoffen" sei. Es gehe nicht darum, den Parketthandel abzuschaffen, sondern ihn effizienter zu machen. Eine andere mit den Vorgängen vertraute Person sagte, dass es auch weiterhin einzelne, vor allem weniger gehandelte Wertpapiere geben werde, bei denen es sinnvoll sei, wie bisher Makler zwischen Käufer und Verkäufer zu schalten. Zudem könnten die bisherigen Skontroführer künftig als Spezialisten für das Xetra-System fungieren.

Wie zu hören ist, soll die Landesregierung angedeutet haben, Veränderungen an eine Art Präsenzpflicht zu binden, damit in dem traditionsreichen Saal weiterhin Handel betrieben wird. Aus dem Wirtschaftsministerium, dem die Börsenaufsicht obliegt, wurde das nicht bestätigt. Prinzipiell sei richtig, dass die Frankfurter Wertpapierbörse immer hinterfragen müsse, wie sie ihre Aufgabe, einen effizienten Handelsplatz anzubieten, am besten erfüllen könne, hieß es aus dem Ministerium. Dabei habe in der Vergangenheit der Präsenzhandel eine wichtige Rolle gespielt. Ob die Prüfung zu einer Abschaffung des Parketthandels führe, sei offen.

Die Deutsche Börse hält sich aus den Vorarbeiten weitgehend heraus. Das Unternehmen wäre lediglich ausführendes Organ, sollte der Börsenrat zu dem Entschluss kommen, den Präsenzhandel umzustrukturieren. Sie ließ nur verlauten: "Es ist sicherlich prüfenswert, ob die historisch gewachsenen Strukturen den steigenden Anforderungen noch gerecht werden." Der Börsenrat tagt wieder am 2. Juli. Sollte die Arbeitsgruppe bis dahin schon zufriedenstellende Vorschläge haben, könnte der Rat sie direkt annehmen.

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