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Abschaffung des Parketthandels ungewiss

23.06.2009 ·  In der nächsten Woche könnte der Börsenrat die Abschaffung des Frankfurter Präsenzhandels beschließen. Mitglieder äußern daran aber nun Zweifel. Die Börsenmakler kämpfen gegen die Auslöschung ihres Beruf - aber auch anderen fehlt ein Konzept der Deutschen Börse. Von Tim Kanning

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Frankfurt. Es könnte eine der wichtigsten Sitzungen des Börsenrats seit langem werden. Über eine effizientere Aufstellung des Parketthandels der Frankfurter Wertpapierbörse soll nächsten Donnerstag entschieden werden. Frank Gerstenschläger, Geschäftsführer der Wertpapierbörse und Vorstand der Deutschen Börse AG, die den Handel mit Lizenz des Landes Hessen betreibt, hat bislang keinen Hehl daraus gemacht, dass es ihm am liebsten wäre, den Präsenzhandel abzuschaffen und die wenigen kleinen Werte, die noch auf dem Parkett gehandelt werden, auf die elektronische Plattform Xetra zu ziehen, auf der ohnehin schon das Gros des Handels abläuft. Auch der Vorsitzende des Börsenrats, Lutz Raettig, hat sich wiederholt dafür ausgesprochen.

Doch eine Woche vor der Sitzung, die das Ende des Parketthandels einläuten könnte, wird Kritik an den Plänen laut. Vor allem die Börsenmakler stellen sich dagegen. Bislang sitzen in den weißen Runden im aus dem Fernsehen bekannten Handelssaal noch sogenannte Skontroführer von 18 Unternehmen, die vor allem damit beschäftigt sind, für einzelne selten gehandelte Wertpapiere die Preise zwischen Verkäufer und Käufer zu ermitteln. Es sind vor allem kleine Banken, die mit wenigen Mitarbeitern kaum mehr als ebenjenes Skontrogeschäft machen. Nach den Plänen der Börse sollen sie in Zukunft nur noch als Spezialisten auf Xetra für die kleineren Werte zuständig sein.

Wie viele der heutigen Skontroführer noch für diese neue, bescheidenere Rolle benötigt werden, ist unklar, so dass viele der kleinen Unternehmen um ihre Geschäftsgrundlage fürchten. In der Initiative Skontroführer an der Frankfurter Wertpapierbörse haben sich acht von ihnen zusammengeschlossen, um gegenüber der Börse eine stärkere Stimme zu haben. Sie verweisen auf die Vorzüge, die "der Faktor Mensch" im Börsenhandel gerade in einem schwierigen Marktumfeld habe. Aberwitzige Ausschläge von Aktienkursen, wie etwa im vergangenen Jahr bei der Volkswagen-Aktie zu beobachten, könne ein Skontroführer abflachen, sagt der Mitarbeiter eines dieser kleinen Häuser. Der Rentenhandel funktioniert seiner Ansicht nach überhaupt nicht auf dem elektronischen System, weil es zu viele Besonderheiten zu bedenken gebe.

Uwe Hellwig, Chef der Hellwig Wertpapierhandelsbank, der der Initiative vorsitzt, sieht im elektronischen System einen entscheidenden Nachteil für Privatkunden, die kleinere Anleihemengen kaufen wollen, denn es werde keine Teilausführungen mehr geben. "Wenn zum Beispiel 100 000 Anleihen auf dem Markt sind, ein großer institutioneller Anleger genau die Menge bestellt und dann noch ein kleinerer 1000 Anleihen kaufen will, dann gehen alle Anleihen im Computerhandel an den Großanleger, der kleinere geht leer aus und kommt erst mit zeitlicher Verzögerung zum Zuge, möglicherweise dann jedoch zu erheblich schlechteren Bedingungen." Ein Skontroführer versuche hingegen, alle Anfragen anteilig zu bedienen. Gerade im Wettbewerb mit anderen regionalen Börsen, etwa mit der Berliner Tradegate, die ins Privatkundengeschäft einsteigen wolle, würden dem Börsenplatz Frankfurt durch die Abschaffung der Skontroführer erhebliche Nachteile entstehen und Umsätze abwandern, findet Hellwig. Vor allem kritisiert der Börsenmakler, dass die Börse noch keine konkreten Aussagen über Einspar- oder Wachstumspotentiale gemacht habe.

Die Abneigung der Skontroführer gegen das Vorhaben ist naheliegend. Aber auch von anderer Seite sind zurückhaltende Stimmen zu hören. Ein Mitglied des Börsenrats äußerte Zweifel, dass es am Donnerstag nächster Woche zu einem Beschluss komme, weil es noch keine Alternative zum Präsenzhandel gebe.

Der Vertreter einer großen Bank im Börsenrat sagte, dass noch eine Menge Diskussionsbedarf bestehe. Natürlich habe die Deutsche Börse ein Interesse daran, die doppelte Infrastruktur - also den Handel auf Xetra und auf dem Parkett - zusammenzulegen. Doch auch er bemängelte, dass es bislang an klaren Konzepten für den Ausstieg aus dem Präsenzhandel fehle. Seiner Ansicht nach wird am nächsten Donnerstag erst mal nur grundsätzlich beschlossen, dass der Präsenzhandel innerhalb der nächsten drei Jahre abgeschafft werden kann - um der Börse freie Hand zu geben. Um das Vorhaben aber wirklich angehen zu können, müsse das Unternehmen noch Pläne ausarbeiten und diese dann noch einmal dem Börsenrat vorlegen. "Aus meiner Sicht ist das noch überhaupt nicht sicher", sagte der Banker gestern. Bislang sei die Haltung des Börsenrats: "Es gibt keinen Freibrief zur Abschaffung des Präsenzhandels."

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