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150 Jahre Freies Deutsches Hochstift (II): Zerstörung und Wiederaufbau des Goethehauses "Die Kraft, eine Welt in uns aufleben zu lassen"

01.04.2009 ·  Es hätte auch anders kommen können. Dann stünde heute am Großen Hirschgraben in Frankfurt keine Kopie von Goethes kriegszerstörtem Geburtshaus, sondern ein Museumsneubau aus den fünfziger Jahren oder gar nichts.

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Es hätte auch anders kommen können. Dann stünde heute am Großen Hirschgraben in Frankfurt keine Kopie von Goethes kriegszerstörtem Geburtshaus, sondern ein Museumsneubau aus den fünfziger Jahren oder gar nichts. Dass die Gebäude des vor 150 Jahren gegründeten Freien Deutschen Hochstifts das sorgfältig rekonstruierte Trugbild des Originals umschließen, ist vor allem Ernst Beutler zu verdanken, dem Direktor des Instituts zwischen 1925 und 1960. Als er vor fast genau sechzig Jahren, am 4. April 1949, mit Kollegen und Zimmerleuten Richtfest feiern konnte, war das Goethehaus der einzige Neubau, der sich über die Trümmerwüste des Hirschgrabens erhob. Gut möglich, dass Beutler, während Hochstiftsmitglieder und Handwerker der gemeinsamen Goetheverehrung durch das Singen von "Sah' ein Knab' ein Röslein steh'n" Ausdruck gaben, zurückdachte an den Kampf gegen die Zerstörung der Sammlung und für den Wiederaufbau des Hauses.

Es war ein Kampf, der seine Aufmerksamkeit lange erfordert hatte, zunächst verloren schien und dann siegreich endete. Schon vor dem deutschen Überfall auf Polen, am 28. August 1939, hatten die Mitarbeiter des Hochstifts damit begonnen, die Räume des Goethe-Museums zu leeren. Als die Zahl der alliierten Bombenangriffe auf deutsche Städte 1942 zunahm, lagerten Kunstwerke und Handschriften in Banktresoren Frankfurts und der Umgebung. Nun wurde beschlossen, sie weit draußen auf dem Land unterzubringen. Am 22. September 1942 berichtet Beutler seinem Bruder von der Auslagerung der Schätze zusammen mit Kunstwerken aus Städel-Museum und Liebieghaus: "Kürzlich habe ich in 7 Müllwagen unsere Bilder nachts über den Taunus gefahren. Die Madonna des van Eyck und die Athena des Myron waren auch drin."

Neben Beutlers Bericht von der Taunusfahrt der Athena beherbergt das Hausarchiv des Hochstifts, in dem sich sein Brief erhalten hat, zahlreiche andere Dokumente aus der Zeit von Krieg und Wiederaufbau. Joachim Seng, Leiter der Hochstiftbibliothek, hat sie für seinen neuen Band der Geschichte des Hauses genutzt. Wenn er zum Jahrestag der Gründung des Freien Deutschen Hochstifts im Herbst erscheint und die Geschichte des 1859 entstandenen Vereins bis in die Gegenwart weitererzählt, wird er mit vielen neuen Details auch das Wissen über die Umsicht ergänzen, mit der Beutler nach dem Krieg Fakten schuf und den Wiederaufbau des Goethehauses gegen die Gegner seiner Rekonstruktion durchsetzte. Zu den Funden im Hausarchiv zählen bislang kaum beachtete Baupläne aus der Zeit des Wiederaufbaus, aber auch Zeichnungen baulicher Details des Goethehauses, von denen man weiß, dass Städelschüler sie Ende 1942 anfertigten.

Es war keinen Moment zu früh: In der Nacht auf den 23. November 1943 brannte der Dachstuhl des Goethehauses nach einem ersten Luftangriff aus, der Bau eines Notdachs dauerte bis Anfang 1944, kaum war es fertig, brannten am 19. März neben Teilen des Goethehauses auch die oberen Stockwerke des Museumsgebäudes nieder. Die vollständige Zerstörung des Goethehauses folgte in der Nacht vom 22. auf den 23. März 1944, die letzten Reste des Museums sanken im September in den Schutt.

Gleich nach dem ersten Angriff hatte Beutler am 5. Dezember 1943 an Karl Jaspers geschrieben, er sei im Falle der Zerstörung fest entschlossen, "alles daranzusetzen, das Haus genauso wiedererstehen zu lassen, wie es war". Was solle man auf dem Boden von Goethes Geburtshaus anderes errichten "als eben sein Haus"? Dass ein wiedererrichtetes Gebäude nur ein Abbild des verlorenen Originals wäre, machte ihm weder zu diesem Zeitpunkt noch später etwas aus. Das Leben habe ihn gelehrt, schrieb er Jaspers, dass die "Echtheit einer Religion nur in dem echten Glauben an sie" beruhe. "Nur die Kraft, eine Welt in uns aufleben zu lassen, vollzieht die Wandlung ins Sakrament." Beutler verwendet Begriffe der Religion, glaubt aber nur an die Macht der menschlichen Vorstellungskraft und nimmt dem wieder aufgebauten Goethehaus damit jede Aura der Ganzheit und des Sakralen. In diesem Glauben trieb er die Entscheidung für den Wiederaufbau voran, die vom Frankfurter Magistrat am 19. April 1947 gebilligt wurde. Vier Jahre später konnte das Goethehaus eröffnet werden. balk.

Bisher erschienen: Clemens Brentano und die Romantik (4. März).

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