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Rallye Dakar Gigant und Feind

Die Rallye Dakar ist noch immer die atemraubende Wettfahrt, die zwischen Gefahr und Faszination umherirrt. Am Sonntag endet die Tour durch Wüsten und Berge Südamerikas in Peru.

© dpa Vergrößern Die Dakar liefert spektakuläre Bilder

Ganz weit oben, in zwei Kilometer Entfernung, rund 700 Meter höher, sieht man die ersten Staubfahnen aufsteigen. Dann schießt ein bunter Punkt über die Kante der Düne. Der in knalligem Orange lackierte Hummer des amerikanischen Rennfahrers Robby Gordon fliegt den riesigen Sandberg hinunter, stürzt in die Tiefe. Der mächtige Motor des amerikanischen Geländewagens, der aussieht wie ein Pop-Art-Panzer, brüllt, der Wind trägt das wütende Geheul durch die flimmernde Hitze hinunter zum Biwak nahe der chilenischen Stadt Iquique, wo die Dakar-Rallye jüngst Station machte.

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An diesem Sonntag endet sie nach mehr als 8300 atemraubend aufreibenden, gefährlichen und auch spannenden Kilometern in der peruanischen Hauptstadt Lima.

South Africa's Villiers and Germany's Zitzewitz drive their Toyota during the 4th South American edition of the Dakar Rally from Arequipa to Nasca © REUTERS Vergrößern Vollgas am Wüstenstrand

Die Düne von Iquique ist im Offroad-Rallyesport so etwas wie die Streif beim Skilaufen. Wer von oben herabschaut, dem sträuben sich die Haare beim Gedanken, hier mit einem Motorrad oder mit einem Auto hinabzumüssen. 32 Prozent Gefälle und ein Untergrund aus purem Feinstaub lassen den Adrenalinspiegel hochschnellen und manches Herz in die Hose rutschen. Im vergangenen Jahr wollte Volkswagen Gäste von einheimischen Fahrern die Düne hinunterchauffieren lassen. Die angeheuerten Männer mit Offroad-Praxis weigerten sich - zu gefährlich.

Für die Männer der Dakar ist die Düne eine Pflichtübung. Der Niederländer Henk Knuiman ist in Iquique schon dreimal mit seinem Motorrad in die Tiefe gerast. "Es ist Wahnsinn, es geht schnell, sehr schnell voran", erzählt er. Gelegenheit, auf den Tacho zu schauen, habe er nicht gehabt. "Aber 150 Stundenkilometer hatte ich bestimmt drauf."

Beim ersten Mal empfand er die Abfahrt als "wirklich beängstigend". Diesmal hat der Niederländer sogar Gas gegeben. Hummer-Pilot Gordon gibt sich nach dem wüsten Sturzflug gewohnt lässig. "205 Kilometer" habe der Tacho bei der rasenden Talfahrt angezeigt.

Tödliche Gefahr

Passiert ist nichts an diesem Tag, an dem sich ein blassblauer Himmel über das Beige der Dünen und das Tiefblau des Pazifiks spannte. Alles lief gut ab bei der Abfahrt ins Biwak. Doch die Dakar kann auch anders sein. Erbarmungslos, gefährlich wie ein Raubtier - tödlich.

Gleich am ersten Tag des Jahres und damit auch am ersten der Dakar-Rallye war der argentinische Motorradfahrer Jorge Martinez Boero tödlich verunglückt. "Was dich nicht tötet, macht dich stärker", hatte der Vater einer zweijährigen Tochter bei Twitter im Internet vor dem Start der Dakar gepostet. Boero war das vermutlich 61. Todesopfer in der Geschichte der Dakar, die 1978 erstmals gestartet wurde.

TENTH STAGE OF RALLY DAKAR © dpa Vergrößern Steilhang: In Iquique geht es 32 Prozent bergab, für einen Siegfahrer wie Peterhansel mit Vollgas

Auch der charismatische Gründer der damals "Paris-Dakar" genannten Wettfahrt, der Franzose Thierry Sabine, ist unter den Opfern. Am 14. Januar 1986, also auf den Tag genau vor 26 Jahren, zerschellte sein Hubschrauber an einer Düne. Drei weitere Menschen, der Pilot, der Funker und eine Journalistin, starben ebenfalls bei dem Unglück.

"Nichts ist sicher, kaum etwas ist berechenbar"

Die Begegnung mit Leid und Tod ist eine Realität bei dieser Wettfahrt, die irgendwo zwischen Faszination und Gefahr umherirrt. Zuweilen treffen sich auch beide Elemente - so wie bei der haarsträubenden Schussfahrt von der Düne in Iquique. Hier geht auch von der Gefahr die Faszination aus. Eine teuflische Mischung. Für den einen ist sie teuflisch gut, andere verteufeln sie. Bei der Dakar selbst findet man die Vertreter der letztgenannten Gruppe naturgemäß kaum.

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