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Prodi-Nachfolge Die Stunde des Kandidaten Cox

05.05.2004 ·  Um bestimmte politische Ämter, nicht zuletzt den Posten des EU-Kommissionspräsidenten, bewirbt man sich nicht - man wird berufen. Pat Cox, der scheidende Präsident des Europäischen Parlaments, möchte Prodis Nachfolge antreten.

Von Michael Stabenow, Straßburg
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Um bestimmte politische Ämter, nicht zuletzt den Posten des EU-Kommissionspräsidenten, bewirbt man sich nicht - man wird berufen. Dafür muß man zunächst ins Gespräch kommen. Seit dem vergangenen Wochenende ist bereits der britische EU-Außenkommissar Chris Patten für das Brüsseler Amt im Gespräch.

Seit Mittwoch hat es den Anschein, als gebe es im - noch - diskreten Rennen um die Nachfolge von EU-Kommissionspräsident Romano Prodi einen neuen Anwärter. Schon am Dienstag war gestreut worden, EU-Parlamentspräsident Pat Cox wolle bei seiner Abschiedsrede einige Einblicke in seine persönliche Zukunftsplanung gewähren. Zur Mittagszeit war es soweit. Am Mittwoch morgen, verriet er den nur zum Teil überraschten Zuhörern im Straßburger Plenarsaal, habe er seinen Anhängern in der irischen Heimat mitgeteilt, daß er bei der kommenden Europawahl nicht wieder kandidieren wolle.

Daß damit nicht unbedingt das Ende einer 15 Jahre währenden politischen Karriere einhergehen müsse, formulierte der liberale Politiker kurz darauf noch etwas klarer. "Europa war die Aufgabe meines politischen Lebens. Ich werde mich auch künftig dieser Aufgabe in jeglicher Weise widmen, in der ich dies tun kann."

Mehr sagte Cox zunächst nicht zu seinen Ambitionen. Mehr als Worte sagte jedoch der Auftritt des 52 Jahre alten Politikers. Schon zu Beginn der Sitzung hielt sich Cox demonstrativ im Kreis der alten und der am Mittwoch offiziell vom Plenum bestätigten Kommissare aus den zehn mittel- und osteuropäischen Beitrittsländern auf. Freundschaftlich legte er die Hand auf die Schulter seines möglichen Vorgängers Prodi. Dann zwei Küßchen zur Begrüßung der Luxemburgerin Viviane Reding, ein Handschlag für den Franzosen Pascal Lamy, eine Umarmung für den Iren David Byrne. Sichtlich aufgekratzt eröffnete Cox die letzte Sitzung des Parlaments vor der Europawahl.

Mehr als zwei Stunden mußte sich Cox noch gedulden, ehe er mit einem Bündel aus kleinformatigen Zetteln zu seiner Abschieds- und Bewerbungsansprache anheben konnte. Daß der einstige Fernsehmoderator aufgeregter als sonst war, ließ sich auch daran erahnen, daß sich plötzlich seine Stimme überschlug. Für die 203 offiziellen Visiten, die 710 Pressekonferenzen und die 9273 unterzeichneten Briefe seiner Amtszeit interessierte sich kaum jemand. Auch daß der selbstbewußte Politiker der Auffassung ist, seine Aufgabe in den zweieinhalb Jahren auf dem Straßburger Präsidentensessel gut gemacht zu haben, überraschte nicht.

Erst als Cox dazu aufrief, die Bedeutung europäischer Politik stärker im Bewußtsein der EU-Bürger zu verankern, schien die Stunde des Kandidaten Cox zu schlagen. Dann kam jene Passage, daß er auch künftig Europa, wo immer dies möglich sei, dienen wolle. In seiner Umgebung hieß es zunächst noch leicht sibyllinisch: "Die Erklärung spricht für sich selbst." Für bestimmte Ämter bewirbt man sich bekanntlich nicht - zumindest nicht direkt. "Aber wenn man sich bewerben könnte", entfuhr es Cox wenig später vor den Kameras eines deutschen Fernsehsenders, "dann hätte man jetzt einen Bewerber vor sich."

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.05.2004, Nr. 105 / Seite 6
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Jahrgang 1955, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in Brüssel.

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