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Weiterer Jesuit räumt sexuelle Übergriffe ein

02.02.2010 ·  mkwa/ddp. FRANKFURT, 2. Februar. Nach Bekanntwerden des sexuellen Missbrauchs von Schülern durch zwei Geistliche am Berliner Canisius-Kolleg hat ein weiterer Jesuit sexuelle Übergriffe eingeräumt. Der Provinzial der Deutschen Provinz ...

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mkwa/ddp. FRANKFURT, 2. Februar. Nach Bekanntwerden des sexuellen Missbrauchs von Schülern durch zwei Geistliche am Berliner Canisius-Kolleg hat ein weiterer Jesuit sexuelle Übergriffe eingeräumt. Der Provinzial der Deutschen Provinz der Jesuiten, Stefan Dartmann, teilte am Dienstag in München mit, dass sich der Mann zu den Taten bekannt habe, nachdem er von der Beauftragten für die Prüfung von Vorwürfen sexuellen Missbrauchs, Ursula Raue, mit den Aussagen von drei Opfern konfrontiert worden sei, die sich jetzt gemeldet hätten. In einem Fall habe der Beschuldigte die Tat zugegeben; er wurde mit sofortiger Wirkung vom priesterlichen Dienst suspendiert. Der betreffende Jesuit, der noch heute im Orden ist, war den Angaben zufolge am Canisius-Kolleg in Berlin als Religionslehrer (1970 bis 1971), in Hannover als Jugendseelsorger (1971 bis 1975), in Berlin als Lehrer und in der Jugendarbeit (1976 bis 1981) sowie in Hamburg als Lehrer und Jugendseelsorger (1981 bis 1983) tätig. Danach war er mehr als zwanzig Jahre lang Projektleiter eines anerkannten Hilfswerkes.

Das Bistum Hildesheim hat derweil Fehler im Umgang mit einem der beiden Patres eingestanden, die mehrere Jugendliche in den siebziger und achtziger Jahren sexuell missbraucht haben sollen. Pater Peter R. war nach seiner Zeit am Berliner Canisius-Kolleg, wo er von 1972 bis 1981 unterrichtete, von 1982 bis 2003 mit Unterbrechungen als Seelsorger im Bistum Hildesheim tätig. Nach Bekanntwerden erster Vorwürfe sei dem Pater 1993 die Jugendarbeit verboten worden. Dieses Verbot sei aber nicht konsequent durchgehalten worden, teilte das Bistum mit. Im Jahr 1997 sei Peter R. nach dem Vorwurf weiterer sexueller Belästigungen nach Wolfsburg versetzt worden. 2003 wurde er aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand versetzt und zog nach Berlin. "Aus heutiger Sicht haben wir die Vorwürfe zu wenig ernst genommen und die Tragweite der weiteren Entwicklungen eindeutig unterschätzt", sagte der damalige Bischof Josef Homeyer. Er bedaure dies zutiefst. Der Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan, Bernd Hagenkord, sagte am Dienstag in Rom, die Täter seien "viel zu lange geschützt worden". Er beklagte ein "Kartell des Wegschauens".

Das Bistum Hildesheim gab an, man prüfe derzeit, ob der Pater im Bistum weitere Personen sexuell missbraucht habe. Derzeit seien zwei Fälle bekannt. 1997 wurden Peter R. Unregelmäßigkeiten in seiner Amtsführung und weitere sexuelle Belästigungen vorgeworfen; daraufhin wurde er versetzt. Zum Zeitpunkt seiner Einstellung in Niedersachsen sei dem Bistum nichts über etwaige Verfehlungen bekannt gewesen. Von 1982 an war er zunächst in Göttingen eingesetzt. Es habe damals eine Messerattacke auf den Pater gegeben. Zu Mutmaßungen, dass ein ehemaliger Jesuitenschüler der Täter war, wollte der Sprecher nichts sagen.

Der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, sagte dieser Zeitung, juristisch seien die Missbrauchsfälle der siebziger und achtziger Jahre am Berliner Canisius-Kolleg wahrscheinlich nicht mehr aufzuarbeiten. Sie seien inzwischen mit großer Wahrscheinlichkeit verjährt.

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