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Vatikan pocht auf Immunität

29.06.2010 ·  Kritik an amerikanischem Urteil in Missbrauchsfall

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jöb. ROM, 29. Juni. Der Heilige Stuhl sieht keine Prozesswelle aus verschiedenen Ländern auf sich zukommen, in denen Verfahren gegen Priester geführt werden, die sich des Missbrauchs an Minderjährigen schuldig gemacht haben. Einer der Anwälte des Vatikans, Jeffrey Lena, sagte am Dienstag in Rom, nicht nur genieße der Heilige Stuhl als souveräner Staat Immunität. Die schuldigen Priester unterstünden ihren jeweiligen Diözesen und würden von diesen bezahlt. Mit dieser Aussage kritisierte Lena ein Urteil aus Washington, wonach der Vatikan in den Vereinigten Staaten bei Missbrauchsvorwürfen gegen einen Priester zivilrechtlich zur Verantwortung gezogen werden könne, weil der Vatikan letztlich "Arbeitgeber der Priester" sei.

Der Oberste Gerichtshof in Washington hatte sich am Montag geweigert, eine Berufung des Vatikans anzuhören, und so das Urteil eines Bundesgerichts bestätigt, das die Immunität des Heiligen Stuhls in dem Missbrauchsverfahren aufgehoben hatte. Normalerweise können souveräne Staaten wie der Heilige Stuhl in den Vereinigten Staaten nicht vor Gericht belangt werden. Das Urteil aber lässt es zu, dass Vatikan-Vertreter - theoretisch auch Papst Benedikt XVI. - vor einem amerikanischen Gericht unter Eid aussagen könnten. Die Regierung von Präsident Barack Obama hatte gegen die Aufhebung der Immunität des Vatikans plädiert. Nun fällt das Verfahren um die Zuständigkeit des Vatikans an die untere Instanz zurück.

In dem Fall geht es um ein Missbrauchsopfer aus Oregon, das den Vatikan für die sexuellen Übergriffe eines irischen Priesters in den sechziger Jahren in der Stadt Portland mitverantwortlich macht, weil dieser schon als Pädophiler in die Stadt gekommen sei. Er habe sich schon während seiner Zeit als Priester in Irland und Chicago gegen Missbrauchsvorwürfe verteidigen müssen; deshalb hätte Rom den Priester nicht nach Oregon schicken dürfen. Jeff Anderson, der Anwalt des Opfers, warf dem Vatikan in der Zeitung "La Repubblica" "kriminelle Fahrlässigkeit" und "Vertuschung" vor. Die verantwortlichen Kardinäle im Staatssekretariat Sodano und Bertone müssten vor Gericht. Anderson will eine Juristengruppe in den Vatikan schicken, um Anklagematerialien zu sammeln.

In Rom heißt es, spätestens das II. Vatikanische Konzil habe die Autonomie der nationalen Bischofskonferenzen gestärkt und sie unabhängig gemacht. "Der Heilige Stuhl bezahlt die Priester nicht und auch nicht ihre Renten; er übt zudem keine Kontrolle über ihre Aktionen aus." Das amerikanische Urteil könnte Prozessführer in anderen Ländern dazu bringen, nach Wegen zu suchen, um den Vatikan bei Missbrauchsfällen zur Verantwortung zu ziehen.

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