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Präsidiales Fernduell

21.05.2009 ·  Köhler und Schwan in Bremen / Von Friedrich Schmidt

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BREMEN, 21. Mai. Kaum ein politisches Thema darf fehlen auf einem evangelischen Kirchentag, kaum ein Politiker, der hier fehlen will. Auch zwei Kandidaten ließen sich die Gelegenheit nicht nehmen, der eine kam kraft seines Amtes, die andere kraft ihrer ungebrochenen Hoffnungen auf sein Amt: Horst Köhler und Gesine Schwan. Beide treten an diesem Samstag in Berlin bei der Wahl zum Bundespräsidenten an. Vorher zog es sie beide nach Bremen.

In seinem Grußwort am Mittwochabend hebt Köhler, der selber evangelisch ist und den hellblauen Kirchentagsschal um seine Schultern gehängt hat, hervor, wie gerne seine Frau und er zum Kirchentag gekommen seien - "wir brauchen die Kraft, die davon ausgeht". Dann redet er über die Krise: "Krise, das ist immer auch die Versuchung, sich auf eigene Faust herauszuschlagen", sagt Köhler. "Jeder für sich" könne aber nicht länger die Antwort sein, habe vielmehr "uns im Grunde erst in die Klemme geführt, in der wir jetzt stecken". Verhaltener Applaus auf der Bürgerweide. Das Motto des Kirchentags - "Mensch, wo bist Du?" - verstehe er als Aufruf, zusammenzustehen, sagt Köhler. Er fordert mehr Gerechtigkeit in der Welt, mehr Einsatz für den Schutz der Schöpfung, gegen Armut und Klimawandel. Und Köhler verspricht: "Wir wollen aufhören, auf Kosten anderer zu leben." Auch die Rolle des christlichen Glaubens im Werden der Bundesrepublik würdigt der Bundespräsident. "Dass so vieles gelungen ist in den vergangenen Jahrzehnten, das hat auch viel mit unseren christlichen Wurzeln zu tun, mit dem jüdisch-christlichen Erbe unseres Kontinents", sagt Köhler. "Dass immer noch so vieles unvollkommen ist, das ruft uns Christen auf zur Tat. Wir werden niemals fertig sein mit unserer Arbeit. Aber das soll uns nicht aufhalten."

Köhler, der sich immer wieder für die Ökumene einsetzt, sagt, es sei ein "gutes Zeichen", dass der katholische Bischof von Osnabrück, Franz-Josef Bode, ebenfalls ein Grußwort an den Evangelischen Kirchentag richtet. "Wo Christen gemeinsam ihren Glauben leben, sind sie stark", sagt Köhler. Er schließt mit dem Wunsch nach Gottes Segen, muss dann noch die Einlassung einer Pastorin über sich ergehen lassen, dass er in diesem Jahr nicht so lange wie sonst auf dem Kirchentag bleiben könne, weil er ja am Samstag in Berlin "ein großes Fest" feiere. Der Bundespräsident lächelt leicht irritiert, besucht dann noch mit seiner Frau einige Stände auf dem Gelände, fischt bei einem Angelspiel die Beute aus dem Becken, isst Reibekuchen. Richtig zu Hause fühle er sich hier, sagt Köhler zum Abschluss.

Kein Zweifel, dass auch Gesine Schwan ihren Auftritt auf dem Kirchentag genießt. Sie hält am Donnerstagnachmittag einen Vortrag zum Thema "Aufstieg durch Bildung!?" in der "Glocke" am Dom. Schon vor ihrem Auftritt freut sie sich bei einem Gang durch die Straßen voller Menschen sichtlich über die Aufmerksamkeit, lächelt in manche Kamera. Das Thema liegt der Politikwissenschaftlerin, die ihren katholischen Glauben gerne hervorhebt; den Kirchentagsschal trägt auch sie. Sie kritisiert, sehr zur Freude des Publikums, "Elite" und überhaupt den Gedanken an "Aufstieg", bevorzugt den Begriff "Teilhabe". "Aus demokratischer Überzeugung wie aus meinem christlichen Glauben plädiere ich für die Gleichrangigkeit der Menschen mit der Vielfalt ihrer Talente", sagt Frau Schwan. Vor der Krise, sagt sie, sei "Wettbewerb geradezu vergöttert" worden. Sie sehe ein Spannungsverhältnis zwischen "Forderung und Förderung von Elite" und dem "demokratischen und christlichen Verständnis" von der Gleichheit der Menschen, sagt Frau Schwan.

Und dann spricht sie von der anzustrebenden "Zusammenarbeit im Weinberg des Herrn". Gewiss gerne mit ihr als einfacher Arbeiterin darin - am Samstag wird es sich weisen.

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