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Plutonium bei Demontage in Cadarache entdeckt

15.10.2009 ·  Acht Kilogramm waren gemeldet, 22 Kilogramm wurden gefunden / "Schwere Mängel"

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mic. PARIS, 15. Oktober. Nach dem Plutonium-Fund auf dem Gelände des französischen Kernforschungszentrums in Cadarache nördlich von Aix-en-Provence hat der zuständige französische Umweltminister Borloo das staatliche Atomenergiekommissariat CEA und den staatlichen Atomkonzern Areva um "unverzügliche und komplette Aufklärung" des Vorfalls gebeten. Bei der Demontage einer von Areva betriebenen Plutoniumfabrik war kiloweise hochgefährliches Plutonium entdeckt worden.

In der Anlage waren 40 Jahre lang Mischoxid-Brennelemente (Mox) für Atomkraftwerke hergestellt worden. Im März war der Abriss der veralteten Anlage von der zuständigen Aufsichtsbehörde für nukleare Sicherheit ASN genehmigt worden. Der kommerzielle Betrieb war schon 2003 eingestellt worden. Der Aufsichtsbehörde war gemeldet worden, dass dort noch acht Kilogramm Plutonium lagerten. Bei den Abrissarbeiten wurden jedoch 22 Kilogramm sichergestellt. Wie die Aufsichtsbehörde mitteilte, wird nun erwartet, dass sich insgesamt 39 Kilogramm der hochgefährlichen Substanz in der Anlage befinden. Das zuständige Kernforschungszentrum der CEA wusste schon seit Juni von dem Plutoniumfund, meldete ihn aber erst jetzt der Aufsichtsbehörde. Die ASN-Leitung ordnete an, alle Demontagearbeiten wegen des hohen Sicherheitsrisikos bis auf weiteres einzustellen. "Große Mengen Plutonium am selben Ort können zu einer gefährlichen Kettenreaktion führen", sagte der stellvertretende ASN-Leiter Delmestre. Der Zwischenfall wurde auf der von 1 bis 7 reichenden Skala in Gefahrenstufe 2 eingestuft. Die ASN meldete den Zwischenfall auch der Staatsanwaltschaft, weil sie dem Atomenergiekommissariat eine Verzögerung der Informationsweitergabe vorwirft: Bei einer Inspektion der Anlage am 9. Oktober habe sich herausgestellt, dass das CEA schon seit Juni unterrichtet war, aber die Information unter Verschluss hielt. Die ASN kritisierte "schwere Mängel bei der Sicherheitskultur".

Der Zwischenfall in Cadarache ist deswegen besonders heikel, weil auf dem 1600 Hektar großen Gelände auch das Forschungszentrum für den internationalen Kernfusionsreaktor Iter angesiedelt ist. Frankreich hatte heftig um den Standort Cadarache gekämpft; zur Zeit stehen schwierige Verhandlungen an, um die höheren Kosten des Projektes zu finanzieren. Für französische Atomkraftgegner ist der Zwischenfall ein weiteres Zeichen für die mangelnde Transparenz in der französischen Atomenergiebranche. "Es ist ein Skandal, dass in einer seit sechs Jahren geschlossenen Anlage so viel Plutonium gefunden wird, dass man damit fünf Atombomben herstellen könnte", sagte Greenpeace-Sprecher Rousselet. Cadarache ist eins von neun Forschungszentren des Kommissariats für Atomenergie.

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