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Mullen: Pakistan nah am Umschlagpunkt

24.04.2009 ·  Amerika befürchtet trotz Rückzugs Machtübernahme der Islamisten

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rüb./cheh. WASHINGTON/FRANKFURT, 24. April. Meldungen aus Pakistan über einen Rückzug der Taliban aus dem Bezirk Buner nahe Islamabad haben die Regierung in Washington bisher nicht überzeugt, dass die pakistanische Regierung Herr der Lage im Land ist. Der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs der amerikanischen Streitkräfte, Admiral Michael Mullen, der sich zu Gesprächen mit der pakistanischen Militärführung in Islamabad aufhält, warnte am Freitag in einem Interview mit dem Fernsehsender NBC, Pakistan "nähert sich dem Umschlagpunkt", an welchem das Land von islamistischen Extremisten übernommen werden könnte. Die Entwicklungen in Pakistan wie in Afghanistan verliefen "nach wie vor in die falsche Richtung", sagte Mullen.

Der amerikanische Verteidigungsminister Robert Gates hatte den Vormarsch der Taliban eine "existentielle Bedrohung" für Pakistan genannt und der Regierung unter Präsident Zardari und Ministerpräsident Gilani vorgeworfen, nicht entschieden genug gegen diese Bedrohung vorzugehen. Die Stabilität und Überlebensfähigkeit einer demokratischen Regierung in Islamabad seien entscheidend für die Beziehungen Pakistans zu den Vereinigten Staaten, mahnte Gates am Donnerstag bei einem Truppenbesuch in Camp Lejeune in North Carolina. "Wir wollen alles tun, um zu helfen", versprach Gates, aber die pakistanische Regierung müsse "die realen Bedrohungen für ihr Land zur Kenntnis nehmen". Dem hielt Ministerpräsident Gilani in einer Rede vor dem Parlament in Islamabad entgegen, seine Regierung "kann und wird Pakistan" gegen die Taliban verteidigen. "Die Regierung und die Streitkräfte sind dazu in der Lage, und wenn jemand schlechte Absichten für unser Land hat, wird er diese nur über unsere Leichen durchsetzen können", versicherte Gilani.

Nach Berichten der pakistanischen Presse kündigten die Taliban am Freitag an, mit dem Rückzug zu beginnen. Demnach begannen mehr als 100 Sicherheitskräfte damit, Polizeistationen wieder zu besetzen. Das pakistanische Fernsehen zeigte Bilder schwer bewaffneter und maskierter Aufständischer, die Geländefahrzeuge und Lastwagen bestiegen. Zuvor hatte ein Regierungsvertreter in der Nordwest-Grenzprovinz mitgeteilt, der Geistliche Sufi Mohammad habe zugesagt, die Taliban zum Verlassen des Distrikts zu bewegen, der an das Swat-Tal grenzt. Er hatte das Friedensabkommen ausgehandelt, nach dem im Swat-Tal die Scharia eingeführt werden sollte und die Taliban im Gegenzug ihre Waffen niederlegen sollten. Der Anführer der Taliban-Kämpfer aus dem Swat-Tal, Mullah Fazlullah, ist der Schwiegersohn Sufi Mohammads.

Unterdessen wächst in Washington die Sorge um das pakistanische Atomwaffenarsenal, das nach Angaben von Außenministerin Clinton "weit über das Land verteilt" ist. Frau Clinton sagte am Donnerstag in einer Anhörung vor dem Haushaltsausschuss des Repräsentantenhauses, während man sich vielerorts große Sorgen über eine potentielle nukleare Bewaffnung Irans mache, "verfügt Pakistan schon über Atomwaffen" und diese seien "nicht an einem zentralen Ort gelagert".

Jüngst bekanntgewordene Satellitenaufnahmen legen derweil die Vermutung nahe, dass Pakistan neben seinem Programm zur Herstellung von Nuklearwaffen aus hochangereichertem Uran auch die Produktion von waffenfähigem Spaltmaterial aus Plutonium vorantreibe. Das "Institute for Science and International Security" (ISIS) hat aufgrund von Aufnahmen aus dem All festgestellt, dass an der Plutoniumfabrik in Khusab in den vergangenen Monaten umfassende Baumaßnahmen vorgenommen worden seien. Dort sei ein zweiter Reaktorblock fast fertig, über einem dritten Block werde derzeit das Dach errichtet. Das ISIS kommt zu der Erkenntnis, dass "Pakistan seine Kapazitäten zur Herstellung von Plutonium ausbaut". Fachleute sagen, dass Pakistan über etwa 60 nukleare Gefechtsköpfe verfüge.

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