05.11.2009 · Beim Lesen Ihrer Beiträge zum Thema "Rente mit 67" könnte man zu der in Gewerkschaftskreisen gängigen Ansicht gelangen, dass in Deutschland Erwerbsarbeit etwas ganz und gar Unzumutbares, wenn nicht gar mit der Menschenwürde nicht zu vereinbaren ist.
Beim Lesen Ihrer Beiträge zum Thema "Rente mit 67" könnte man zu der in Gewerkschaftskreisen gängigen Ansicht gelangen, dass in Deutschland Erwerbsarbeit etwas ganz und gar Unzumutbares, wenn nicht gar mit der Menschenwürde nicht zu vereinbaren ist. Meine Erfahrung in meinen Betrieben ist allerdings eine andere: nicht nur, dass viele unserer Mitarbeiter weit über das Rentenalter von 65 Jahren hinaus arbeiten wollen und dies vom Betrieb mit Freude zur Kenntnis genommen wird, da diese Arbeitnehmer unschätzbare Vorteile für den Betrieb haben, wie Pflichtbewusstsein, Erfahrung, geringe Krankheitsquoten und Loyalität in Zeiten, in denen es einmal nicht so gut läuft. Darüber hinaus möchte ich bemerken, dass von diesen "Rentnern" und deren Arbeitgebern weiter Sozialbeiträge gezahlt werden.
Dass die Senioren in der täglichen Arbeit Erfüllung und Lebensinhalt sehen und Freude daran haben, darüber sollte sich die junge Generation nicht mokieren, sondern sich überlegen, ob Freizeitgestaltung der Sinn des Lebens sein kann. Im Übrigen habe ich zur ökonomischen Seite der Begrenzung des Rentenalters einen Vorschlag: Jeder Arbeitnehmer kann nach 45 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsjahren ohne Kürzung der Rente aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Das heißt, dass fast jeder Nichtakademiker, der ja meistens bereits nach der Hauptschule fünfzehnjährig als Lehrling oder eben Ungelernter ins Arbeitsleben eintritt, mit sechzig ohne Kürzung der Rente ausscheiden kann. So auch der vielzitierte Dachdecker.
Hingegen kann das ein Akademiker, der vielleicht erst mit 28 Jahren seine erste Arbeitsstelle antritt und damit Sozialbeiträge entrichtet, erst mit dem 73. Lebensjahr. Diese Lösung wäre auch gerechter, da dieser Akademiker als Student immerhin dreizehn Jahre länger dem Staat auf der Tasche liegt als jeder Handwerker oder Ungelernte. Sollte er dennoch mit 65 in Rente gehen wollen, erhält er aufgrund des wesentlich höheren Lebenseinkommens nach einer prozentualen Rentenkürzung immer noch mehr Rente als der einfache Arbeiter, ganz abgesehen von einer höheren privaten Altersversorgung, die er sich leisten kann.
Gerd Weikert, Hamburg