08.09.2009 · Als ehemaliger leitender Bergbeamter, der unter anderem auch für das ehemalige Steinsalzbergwerk Asse und das Erkundungsbergwerk Gorleben zuständig war, möchte ich einige Anmerkungen zu Ihrem Leitartikel "Grüner als grün" (F.A.Z.
Als ehemaliger leitender Bergbeamter, der unter anderem auch für das ehemalige Steinsalzbergwerk Asse und das Erkundungsbergwerk Gorleben zuständig war, möchte ich einige Anmerkungen zu Ihrem Leitartikel "Grüner als grün" (F.A.Z. vom 28. August) machen. Nach gründlicher Abwägung der Gefährdung der mit den Abfällen umgehenden Belegschaft der Asse stellte die Bergbehörde Mitte 1979 fest, dass eine Rückholbarkeit nicht oder nur bedingt mit hohem technischem Aufwand und hohen Kosten möglich war. Damit war für die Asse die Endlagerfrage technisch entschieden, ob auch für die Politik, ist eine andere Frage.
Gebirgsstatik und die Frage, ob Laugen - meistens gesättigte Salzwässer - aus dem Deckgebirge des Salzstocks in das Grubengebäude eindringen können, werden vom Salzbergmann wie von der Bergbehörde stets im Auge behalten. Markscheiderische Messungen ließen eine Standsicherheit von mindestens zwanzig Jahren erwarten. Die ersten, aus bergmännischer Sicht unbedeutenden Laugenzuflüsse traten 1988/89 auf. Es handelte sich um gesättigte Laugen von täglich weniger als einem Kubikmeter. Diese Menge hat sich mit den Jahren etwas erhöht. Der Laugenzufluss auf der Asse war ein Warnsignal. Die Bergbehörde veranlasste daraufhin die Verfüllung vieler Abbaue der bergsicherheitlich kritischen Südwestflanke der Asse. Hierbei wurden auch Kammern - Abbaue - mit schwachradioaktiven Abfällen erfasst. Diese Arbeiten waren technisch schwierig und kostenaufwendig und dauerten Jahre, in denen die Laugenzuflüsse langsam zunahmen.
In den Jahren 1980 bis etwa 1995 wurden wissenschaftliche Untersuchungen unter Tage über das Verhalten des Salzgebirges unter späteren Einlagerungsbedingungen simuliert. Hierbei auch verwendete radioaktive Stoffe blieben dabei nicht unter Tage. Diese Versuche waren auch für ein mögliches Endlager in Gorleben wichtig.
Spätestens nach 1995 hat die Bergbehörde den Betreiber der Asse zur Vorlage eines bergrechtlichen Abschlussbetriebsplans gedrängt, unabhängig von der Rechtsfrage, ob Bergrecht oder Atomrecht anzuwenden sei. Dieser Betriebsplan liegt nach vielen Jahren nun der Bergbehörde vor und wird von ihr zügig geprüft. Die sicherheitliche Situation des ehemaligen Salzbergwerkes Asse kann sich in den kommenden Jahren nicht verbessern. Das ist allen bewusst. Die politische Verantwortung auch dafür liegt wie seit 1965 letztlich beim Bund, der die Gesetzes- und Richtlinienkompetenz hat und auch für die bundeseigenen Forschungsanstalten zuständig ist. Die Landesbergbehörden sind nur selbständige Fachaufsichtsbehörden der jeweiligen Bundesländer und politisch weisungsgebunden.
PROFESSOR GOTTHARD FÜRER, GOSLAR