03.03.2009 · Zu "FDP-Politiker für Berufung Steinbachs in Stiftungsbeirat" (F.A.Z. vom 27. Februar): Wer glaubt, sich "Frieden" oder "Verständigung" durch die Opferung einer Person erkaufen zu können, ist auf dem Irrweg.
Zu "FDP-Politiker für Berufung Steinbachs in Stiftungsbeirat" (F.A.Z. vom 27. Februar): Wer glaubt, sich "Frieden" oder "Verständigung" durch die Opferung einer Person erkaufen zu können, ist auf dem Irrweg. Mit wem macht Guido Westerwelle sich gemein, wenn er eine mutwillig vom Zaun gebrochene Kampagne als "eine Belastung für das gutnachbarliche deutsch-polnische Verhältnis" bezeichnet? Eine "Bereinigung" auf Kosten von Frau Steinbach würde die Zukunft des deutsch-polnischen Verhältnisses in das trübste Licht tauchen.
Auf Reisen durch Hinterpommern und Ostpreußen habe ich (wohlgemerkt kein Vertriebener oder Flüchtling) mit Staunen erleben können, wie herzlich die polnische Bevölkerung Jahr für Jahr die Vertriebenen empfing, die von ihrer alten Heimat nicht lassen konnten und deshalb den Polen in jeder Hinsicht behilflich waren in dem Bemühen, kulturelle und materielle Werte aus der deutschen Vergangenheit zu erhalten. Ihre generöse und uneigennützige Haltung hat die Herzen der heutigen Bewohner ihrer Heimatorte für Deutschland und die Deutschen gewonnen. Durch Taten, nicht durch hochtrabende leere Reden. Es war erhebend, und man konnte ein bisschen stolz darauf sein, Deutscher zu sein.
Ich selbst habe gute persönliche und berufliche Beziehungen zu Polen. Von meinen Freunden teilt niemand die Haltung, zu deren Fürsprecher sich Bartoszewski aus mir unverständlichen Gründen gemacht hat. Man wird mir, der ich gut dreißig Werke - von Autoren wie Borowski, Brandys, Geremek, Kolakowski, Lem, Ossowska, Tatarkiewicz und andere - aus dem Polnischen übersetzt habe, keine polenfeindliche Haltung unterstellen wollen. In den dunklen achtziger Jahren habe ich mit Freunden aus der "Solidarität" und aus Kreisen der katholischen Intelligenz über Perspektiven der deutschen Einheit diskutiert, und die Polen waren uneingeschränkt dafür, ja, sie versprachen sich davon die (polnische) "Heimkehr nach Europa". Diese Übereinstimmung der Interessen im Grundsätzlichen ist das einzig verlässliche Fundament einer guten Nachbarschaft.
Die Giertychs, Leppers, Kaczynskis und Konsorten, nicht zu vergessen Pater Rydzyk mit seinem Hetzsender Radio Maryja, also die extrem reaktionären, klerikalen und nationalistischen Kreise, die aus durchsichtigem innenpolitischem Kalkül Frau Steinbach zu einem Popanz aufblasen, dürfen keinen Einfluss auf die Entscheidung über eine Personalie in Deutschland bekommen, auch wenn Frau Schwan und Westerwelle ihnen um eines falschen Friedens stattgeben wollen. Mit diesen Kreisen will kein anständiger Mensch Frieden machen. Ihnen zu willfahren und Frau Steinbach in die Wüste zu schicken, würde das Gift der Infamie ins deutsch-polnische Verhältnis tragen.
Ich vertraue Frau Steinbach, die mit dem unvergessenen Peter Glotz ein nobles Projekt in Gang gebracht hat, ich vertraue den besonnenen Kreisen und den Freunden Deutschlands in Polen, und ich hoffe, dass die Bundesregierung dem Spuk dieser surrealen Hexenjagd durch die Berufung von Frau Steinbach in den Beirat der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" ein Ende macht.
Friedrich Griese, Michelstadt