31.03.2010 · Kardinal: Der moralische Anspruch fällt jetzt auf uns zurück / Mixa dementiert Vorwürfe
D.D. FRANKFURT, 31. März. In den Karfreitagsgottesdiensten der katholischen Kirche soll eigens für die Opfer sexueller Übergriffe gebetet werden. Der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für Fälle sexuellen Missbrauchs, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, regte am Mittwoch an, in die traditionellen Fürbitten eine Bitte "für die Kinder und Jugendlichen" einzufügen, denen "in der Gemeinschaft der Kirche, großes Unrecht angetan wurde, die missbraucht und an Leib und Seele verletzt wurden".
Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann bekundete unterdessen, die Kirche dürfe sich nicht wundern, wenn sie jetzt an jenen Kriterien gemessen werde, mit denen sie sonst ihre sittlichen Überzeugungen vertrete. "Die aufgedeckten Missbrauchsfälle wirken wie ein Bumerang", schreibt der Kardinal in einem Beitrag für diese Zeitung. Lehmann bezeichnet es als tragisch, dass die Lehre der Kirche zwar nie einen Zweifel daran geduldet habe, dass jede Form von sexuellem Missbrauch verwerflich sei, "die Verantwortlichen in der Kirche im eigenen Umfeld in manchen Fällen aber doch nicht mit der letzten Akribie und Unabhängigkeit lückenlose und unbestechliche Aufklärung betrieben haben". Dieses Versäumnis lasse sich auch auf die Einstellung zurückführen, sich mehr um die Täter kümmern zu müssen als um die Opfer, und den Reflex, "durch schnelles Abwehren und Verdecken eines Verdachts oder gar einer Verfehlung die Institution Kirche, und gerade auch Amtspersonen, unter allen Umständen vor einem Makel zu bewahren". Die Leitlinien der Bischofskonferenz haben sich nach Lehmanns Auffassung im Grundsatz bewährt. Zu bedenken sei aber bei einer neuerlichen Revision, ob kircheninterne Ermittlungen in neutrale Hände gelegt werden können und ob die Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft zur Pflicht gemacht werden soll.
In einem Beitrag für diese Zeitung deutet der evangelische Theologe Friedrich Wilhelm Graf den Missbrauchskandal als Indiz einer umfassenden Vertrauenskrise, die nicht allein die katholische Kirche betreffe, sondern beide Amtskirchen. (Fortsetzung Seite 2, siehe Seite 6 sowie 35.) Unterdessen wies das Bistum Augsburg Anschuldigungen von fünf ehemaligen Heimkindern zurück, Bischof Walter Mixa habe sie vor rund dreißig Jahren geschlagen. Die Vorwürfe beziehen sich auf Mixas Zeit als Stadtpfarrer von Schrobenhausen. Die "Süddeutsche Zeitung" zitierte am Mittwoch aus eidesstattlichen Erklärungen von fünf Personen, die angaben, von Mixa nach 1975 in einem Kinderheim mit Ohrfeigen, Fausthieben und Schlägen auf das Gesäß traktiert worden zu sein.
Die für Schrobenhausen zuständige Staatsanwaltschaft Ingolstadt sagte der Nachrichtenagentur AP, sie habe den Zeitungsbericht zur Kenntnis genommen. Bei ihr selbst sei nichts eingegangen. Falls die Vorwürfe zuträfen, seien sie verjährt. Die Sprecherin des Bistums Augsburg äußerte, die in dem Zeitungsbericht aufgestellten Behauptungen seien "absurd, unwahr und offenbar in der Absicht erfunden, den heutigen Bischof von Augsburg persönlich zu diffamieren". Mixa habe "in seinen jeweiligen Wirkungsbereichen zu keinem Zeitpunkt körperliche Gewalt gegen Kinder oder Jugendliche angewendet".
Über die "Hotline" für Missbrauchsopfer, die die Deutsche Bischofskonferenz am Dienstag eingerichtet hatte, haben am ersten Tag nach Auskunft von Andreas Zimmer, dem zuständigen Leiter des Arbeitsbereichs "Beratungsstellen und Telefonseelsorge" im Bistum Trier, etwa 1000 Personen versucht, mit den Beratern und Therapeuten Kontakt aufzunehmen. Insgesamt hätten 162 Gespräche geführt werden können, zumeist mit Opfern oder deren Angehörigen.
Kardinal Lehmann ist nicht wirklich an Aufklärung interessiert !
Karl-Werner Ludwig (wok1234)
- 01.04.2010, 15:22 Uhr