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Veröffentlicht: 20.05.2011, 16:45 Uhr

Kühle Reaktion in arabischen Ländern auf Obama

Enttäuschung überwiegt / Zorn in Syrien / Lob aus Bahrein / Desinteresse in Ägypten

Her./rüb./sat. ABU DHABI/WASHINGTON/BERLIN, 20. Mai. Die arabische Welt hat die Rede des amerikanischen Präsidenten Barack Obama zum "Arabischen Frühling" kühl und ohne Begeisterung aufgenommen. Die meisten Kommentatoren zeigten sich enttäuscht. Feindselig reagierte jedoch nur Syrien. Die syrische Nachrichtenagentur Sana schrieb, Obama heize die Gewalt in Syrien weiter an, wenn er mit einer Isolierung von Präsident Baschar al Assad im Innern und Äußern drohe, sollte er keine Reformen einleiten. Die staatliche Zeitung "Al Thaura" kommentierte, Obama habe seine Arroganz nicht abgelegt, souveränen Staaten sagen zu wollen, was sie zu tun und zu unterlassen hätten.

Bahrein hingegen, das die Demokratiebewegung ebenfalls mit Gewalt niedergeschlagen hatte, lobte Obama; dieser hatte den Golfstaat lediglich dazu ermuntert, den Dialog mit der Opposition wiederaufzunehmen. Das Königshaus teilte am Freitag mit, Obamas Rede stimme mit der von "Bahrein verfolgten demokratischen Strategie überein". Es erneuerte zudem das Angebot zu einem Dialog mit der Opposition. Die arabische Zeitung "Al Hayat" kommentierte, die Rede habe nichts enthalten, was nicht vorauszusehen gewesen wäre, und in der Zeitung "Al Sharq al Awsat" schrieb Essam al Eryan, einer der Führer der ägyptischen Muslimbrüder, er hätte eine andere Ansprache mit einer neuen Strategie erwartet. So bleibe der Nahe Osten "unverändert Gefangener der unilateralen amerikanischen Vision".

Der ägyptische Aktivist Hossam al Hamalawi verbreitete über Twitter: "Obama hat eine Rede gehalten? Als ob mich das interessierte." Viele Ägypter seien gegenüber Obama wegen dessen Unterstützung für Mubarak unverändert kritisch, sagte Emad Ghad, Politikwissenschaftler am Ahram-Zentrum für politische Studien. Obamas Rede habe das nicht verändert. Der ägyptische Kommentator Hassan Nafaa kritisierte, dass Obama mit keinem Wort Saudi-Arabien erwähnt habe. Shadi Hamid vom Brookings Centre in Doha schrieb über Twitter: "Das ist Obama: Versuche allen zu gefallen und enttäusche letztlich alle."

Obama hatte in seiner Grundsatzrede zur Politik der Vereinigten Staaten gegenüber der muslimisch-arabischen Welt den Völkern der Region die Unterstützung Washingtons zugesagt. Oberste Priorität für Washington habe die Förderung von Reformen und des demokratischen Wandels, sagte Obama am Donnerstag. Ägypten und Tunesien stellte er konkrete Finanzhilfe in Milliardenhöhe in Aussicht. Die Revolutionen des "Arabischen Frühlings" nannte Obama eine historische Gelegenheit für die Vereinigten Staaten. "Wir haben die Chance zu zeigen, dass Amerika die Würde eines Straßenverkäufers in Tunesien höher achtet als die rohe Macht des Diktators", sagte der Präsident.

Obama ging reihum auf die einzelnen Krisenherde der Region ein. Für Libyen sagte er voraus, Machthaber Muammar al Gaddafi werde am Ende das Land verlassen. Syriens Präsident Baschir al Assad müsse entweder den Wandel in seinem Land anführen oder aus dem Weg gehen. Von Jemens Staatschef Ali Abdullah Salih forderte Obama eine Verwirklichung seiner Zusage zu einer Machtübergabe, von der Regierung in Bahrein die Schaffung von Bedingungen für einen Dialog mit der Opposition.

In Berlin nannte Außenminister Guido Westerwelle die Rede Obamas ein "kraftvolles Signal der Unterstützung für den demokratischen Wandel in Nordafrika und der arabischen Welt insgesamt". Sie gebe all denjenigen Rückenwind, die sich für mehr Freiheit, Demokratie und Chancen auf persönlichen Wohlstand in der Region einsetzten.

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