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Kriegerisches Vokabular gegen die Schweiz

22.03.2009 ·  Wahlkampf erklärt vieles, entschuldigt jedoch nicht alles. Was die Herren Steinbrück und Müntefering in jüngerer Zeit an die Adresse der Schweiz von sich gegeben haben, erregt südlich des Rheins Zorn und müsste nördlich davon etwas mehr Aufmerksamkeit erhalten.

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Wahlkampf erklärt vieles, entschuldigt jedoch nicht alles. Was die Herren Steinbrück und Müntefering in jüngerer Zeit an die Adresse der Schweiz von sich gegeben haben, erregt südlich des Rheins Zorn und müsste nördlich davon etwas mehr Aufmerksamkeit erhalten. Es geht um das schweizerische Bankkundengeheimnis. Beziehungsweise um dessen Aufweichung. Wofür es auch in der Eidgenossenschaft durchaus mehr als nur Verständnis gibt. Gar kein Verständnis gibt es jedoch für die rüden Verbalattacken deutscher Spitzenpolitiker. Der SPD-Bundesvorsitzende Franz Müntefering meinte, früher hätte man Soldaten geschickt. Jetzt gehe dies nicht mehr. Der Finanzminister, Peer Steinbrück, drohte mit der Peitsche, und in seinem jüngsten Ausfall bezeichnete er die Schweizer als Indianer. Dabei verstand sich Minister Steinbrück als Chef der Kavallerie (welch eine Beleidigung für all die massakrierten Rothäute). Eigentlich sind wir ja schon froh, dass uns Steinbrück nicht mit Einsatztruppen gedroht hat.

Als Bürger eines höchst komplexen, jedoch recht gut funktionierenden Rechtsstaates, einer komplexen Willensnation, die seit 500 Jahren keine Aggressionen gegen Drittländer begangen hat, lassen wir uns nicht von hohen Repräsentanten eines Landes, das in den vergangenen 140 Jahren in Europa dreimal Krieg angezettelt hat und dabei den Kontinent zweimal in unübertroffener Gründlichkeit in Schutt und Asche gelegt hat, mit Drohungen aus dem Kriegsvokabular eindecken. Wir zählen darauf, dass es nördlich des Rheins auch noch Spitzenpolitiker gibt, die einschätzen und laut aussprechen können, was sich deutsche Politiker erlauben dürfen und wo für Schweizer der Spaß aufhört.

Der überall in Europa hoch respektierte ehemalige Chefdiplomat der Schweizerischen Eidgenossenschaft Franz Blankart meinte (ganz diplomatisch) auf die Frage, ob die gegenwärtige "Verstimmung" mit dem nächsten Regierungswechsel in Deutschland enden werde, korrekte diplomatische Umgangsformen würden nicht von der Partei, sondern von der Kinderstube abhängen. Dies ist milde ausgedrückt. Zur Sache selbst, zu dem von Minister Steinbrück und seinen Gesinnungsgenossen geforderten automatischen Informationsaustausch, meinte Blankart, dies entspreche nicht dem schweizerischen Verständnis. "Bei uns ist es der Bürger, der den Staat beaufsichtigt, nicht umgekehrt."

Erich Heini, Luzern, Schweiz

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