15.06.2009 · Die Szene gleicht einem Ferienlager: Zelte, eine Feldküche, Holzbänke und zwischen den Bäumen bunte Transparente. Darauf liest man jedoch Parolen gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens. Die Zeltsiedlung soll eine Mahnwache sein ...
Die Szene gleicht einem Ferienlager: Zelte, eine Feldküche, Holzbänke und zwischen den Bäumen bunte Transparente. Darauf liest man jedoch Parolen gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens. Die Zeltsiedlung soll eine Mahnwache sein - sie ist das Relikt eines Protestcamps, das vor einem Jahr in jenem Stück des Kelsterbacher Waldes errichtet wurde, wo von 2011 an Flugzeuge starten und landen sollen. Ende Mai 2008 hatten Umweltschützer das Waldstück besetzt und dort bis zu dessen Räumung im Februar in Baumhütten gewohnt. Sonntags trifft man sich seither auf der Mahnwache zu Kaffee und Kuchen und diskutiert weiter über den Flughafenausbau.
Unter dem knappen Dutzend Personen, die sich auf den Campingmöbeln niedergelassen haben, sind auch Urgesteine der Antiflughafenbewegung. Sie waren bereits in den achtziger Jahren dabei, als in viel größerem Umfang gegen den Bau der Startbahn West protestiert wurde. Auch damals gab es eine Hüttensiedlung. Ein vierzigjähriger Aktivist sagt, heute fühle er sich zu alt, um im Wald zu leben. Es sind vorwiegend jüngere Leute, zehn bis zwanzig an der Zahl, die hier vorübergehend wohnen. Ein Bäcker aus Griesheim hat grundsätzlich etwas gegen die "vorherrschende Profitgier". Und ein schmächtiger Mann, der, adrett gekleidet, nicht recht ins Bild passen will, sagt: "Ich bin einfach dagegen, dass so viel Wald abgeholzt wird."
Tatsächlich haben die Rodungsarbeiten schon im Januar begonnen: Mehrere hundert Hektar Bannwald, nach wie vor im Besitz der Stadt Kelsterbach, werden der Landebahn weichen müssen. Gegen den Verkauf des Naherholungsgebiets richtet sich ein Bürgerbegehren, über das am 5. Juli abgestimmt wird. Es ist die letzte Hoffnung der Ausbaugegner. Von der am 2. Juni begonnenen Verhandlung vor dem Verwaltungsgerichtshof in Kassel erhoffen sie sich wenig. Der Flughafen ist größter Arbeitgeber der Region. "Wir beißen die Hand, die uns füttert", gesteht einer der Anwesenden ein. Und sie wollen weiter beißen, mit vereinten Kräften: Umweltaktivisten, schlecht bezahlte Arbeitskräfte und lärmgeplagte Anwohner. Verzögern konnten sie das Bauvorhaben schon. Nina Belz