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Kehraus in der Staatskanzlei

07.02.2010 ·  MÜNCHEN, 7. Februar. Mittlerweile ist sogar in Reiseführern nachzulesen, dass die Bayerische Staatskanzlei in München größer sei als das Weiße Haus in Washington. Dabei bleiben die Vergleichskriterien zwar im Ungefähren, aber weiß-blaue Patrioten wollen gar nicht so genau nachrechnen.

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MÜNCHEN, 7. Februar. Mittlerweile ist sogar in Reiseführern nachzulesen, dass die Bayerische Staatskanzlei in München größer sei als das Weiße Haus in Washington. Dabei bleiben die Vergleichskriterien zwar im Ungefähren, aber weiß-blaue Patrioten wollen gar nicht so genau nachrechnen. Sie halten es für einen Ausweis der Eigenstaatlichkeit Bayerns, dass das Land von einer stattlichen Zahl von Büro- und Konferenzräumen - es sind nach Angaben der Staatskanzlei 293 - aus regiert wird. Und aufmerksam wird in diesen Tagen an den Münchner Kaffeehaustischen registriert, was andernorts nur Verwaltungsfachleute fasziniert, nämlich dass sich ein Wechsel an der Beamtenspitze der Staatskanzlei anbahnt.

Gleich zwei langjährige Weggefährten des früheren Hausherrn Stoiber sollen ihre Büros am Münchner Hofgarten verlassen: Walter Schön, der Amtschef der Staatskanzlei, und Martin Neumeyer, der Amtschef der Staatsministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten Müller, die auch in der Staatskanzlei residiert. Auf Schön und Neumeyer ruhten nicht zu allen Zeiten wohlgefällige Blicke von CSU-Politikern, deren Einfluss in der Ära Stoiber im Vergleich zu den beiden Spitzenbeamten, vorsichtig formuliert, nicht übergroß war. Ganz ohne Autorität werden Schön und Neumeyer auch künftig nicht sein; sie sollen als Amtschefs in das Justiz- und das Landwirtschaftsressort wechseln. Aber die unmittelbare Nähe zur Macht, sprich zum Ministerpräsidenten Seehofer, werden sie nicht mehr haben. Dieses Privileg - oder diese Last, je nach Sichtweise - kommt auf Karolina Gernbauer zu, die als Amtschefin in die Staatskanzlei einrückt; bisher ist sie Ministerialdirektorin im Umweltressort. Wer mag, kann in diesem Führungswechsel, der noch im Kabinett beschlossen werden muss, eine Feminisierung der bayerischen Politik sehen. Weitergehende Schlüsse sind schon schwieriger - etwa die Annahme einer Entstoiberisierung Bayerns. Schließlich hat Frau Gernbauer lange Jahre Stoiber als persönliche Referentin gedient. Mit ihr wird Seehofer am Kabinettstisch allerdings eine Beamtin an seiner Seite haben, die ihren entscheidenden Karrieresprung ihm verdankt, anders als Schön und Neumeyer. Seehofer lässt sich damit von Führungsmustern leiten, die auch aus anderen Institutionen bekannt sind - ohne gleich wieder das Weiße Haus zu bemühen. (ff.)

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