15.01.2009 · Lt. LONDON, 15. Januar. Die britische Regierung genehmigt den Bau einer dritten Start- und Landebahn in London-Heathrow, einem der wichtigsten Verkehrsflughäfen Europas. Der britische Verkehrsminister Hoon stellte unter turbulentem ...
Lt. LONDON, 15. Januar. Die britische Regierung genehmigt den Bau einer dritten Start- und Landebahn in London-Heathrow, einem der wichtigsten Verkehrsflughäfen Europas. Der britische Verkehrsminister Hoon stellte unter turbulentem Protest im Unterhaus die Entscheidung der Regierung samt der Einschränkungen vor, die auf der neuen Landebahn gelten werden: nur die leisesten und im Treibstoffverbrauch sparsamsten Flugzeuge sollen sie benutzen dürfen. Die Oppositionsparteien der Konservativen und der Liberaldemokraten erneuerten am Donnerstag ihren Widerstand gegen die Erweiterung des Flughafens; die verkehrspolitische Sprecherin der Konservativen kündigte an, eine von ihrer Partei geführte Regierung werde die Entscheidung zurücknehmen. Der Londoner Bürgermeister Johnson, der zu den Konservativen zählt, kündigte rechtliche Schritte an.
Die Pläne zur Erweiterung des Flughafens hatten in Großbritannien eine zivile Widerstandskampagne hervorgerufen. Nach Protestaktionen und Zehntausenden Einwänden gegen die Planungsunterlagen kauften vor wenigen Tagen Politiker und bekannte Erweiterungsgegner wie die Schauspielerin Emma Thompson ein Stück Land in einer Gemeinde am Flughafenzaun, das für die neue Startbahn gebraucht würde.
Die Ankündigung Hoons markiert den Beginn einer Detailplanung, die sich mehrere Jahre hinziehen könnte, als Baubeginn wird die Mitte des nächsten Jahrzehnts genannt. Die neue Bahn würde die Kapazität des Flughafens um 300 000 Flugbewegungen jährlich erhöhen und damit fast verdoppeln. Um den Gegnern entgegenzukommen, hat die Regierung zugleich den Bau einer Hochgeschwindigkeits-Eisenbahn von London nach Birmingham in Aussicht gestellt, von der zumindest ein Ast über Heathrow führen soll. Das soll die Zahl der Kurzstreckenflüge vermindern. Hoon begründete die Entscheidung für den Ausbau mit dem Argument, Heathrow sei der einzige Flugverkehrsknoten in Großbritannien und sein wichtigstes Tor zur Welt. Obwohl die Labour-Regierung ihre Entscheidung nicht der Zustimmung des Parlaments unterwerfen muss, wird sie im Unterhaus unter Druck geraten. Mehr als 50 Labour-Abgeordnete haben bisher ihren Widerstand gegen den Ausbau erkennen lassen. Stimmten sie alle einem Entschließungsantrag der Opposition zu, der sich gegen den Ausbau wendet, hätte die Regierung mit einem dauerhaften Autoritätsschaden zu kämpfen. (Siehe Wirtschaft, Seite 15.)